„Nun denn — Cölestine ist in der That die Braut des Grafen von A—x; diese Angelegenheit ist bereits abgeschlossen.“

Ein fahler Lichtschein fuhr über Leubens Angesicht, dessen Blässe jetzt eine todtenähnliche Farbe annahm. Dieser Mensch schien von einem elektrischen Schlag bis ins tiefste Leben hinein getroffen zu sein; die Veränderung, welche an ihm vorging, ward jedoch von keinem seiner beiden Nachbarn bemerkt — denn mit einer an’s Uebernatürliche streifenden Gewalt schien er sich zu beherrschen. Er blieb auf seinem Stuhle sitzen — bewegungslos, antheillos, und bis auf seine wechselnde Gesichtsfarbe, so unverändert, als wäre nichts vorgefallen.

Bald darauf erhob man sich; Edmund hatte Besuche bei Freunden und im Kaffeehause zu machen (er traf seine Freunde gewöhnlich an solchen Orten); Althing beobachtete den so eben erfolgten Aufbruch seiner „Brünette“ — natürlich, daß er Willens war, ihr zu folgen; was endlich Leuben betraf, so war demselben höchst wahrscheinlich wenig daran gelegen, dem einen oder dem andern dieser Herren zu folgen — und in der That, wir sehen ihn auch alsbald nach einer leichten Begrüßung sich einsam hinweg begeben und den Weg rechts nach den Vorstädten — vielleicht um in den nahen Garten des Fürsten Schwarzenberg zu gelangen — einschlagen.

Der Schwarzenberg-Garten ist ein allgemeiner Freund sowohl der glücklich wie der unglücklich Liebenden. Beide bergen sich in seinem Schatten.

Althing und Edmund waren eine Strecke gegangen; da sie jedoch verschiedene Ziele verfolgten, so trennten sie sich auch sehr bald und unser dicker Adonis ging nun allein klirrenden Trittes Derjenigen nach, welche, wie er glaubte, ihm so viele und so ausdrucksvolle Liebeszeichen auf dem Wasserglacis gegeben — und die, wie er nicht zweifelte, sich auch jetzt nur erhoben hatte, damit sie endlich ungestört mit ihm reden könnte.

Aber welche Ueberraschung für unseren heißblütigen Ritter, als er sich plötzlich von einem leisen Handschlage auf seiner Schulter berührt fühlte und nun einen ihm unbekannten jungen Herrn hinter sich sah, der folgende Worte zu ihm sprach:

„Mein bester Herr — ich rathe Ihnen, von der Verfolgung jener Dame abzulassen, denn es würde Sie zu nichts führen und wahrhaftig, Sie können Ihre Zeit auf andere Weise weit besser verwenden. Sollten Sie Zweifel in meine Worte setzen, so werden diese bald zerstreut sein. Blicken Sie mir gefälligst nach und überzeugen Sie sich, daß unter diesem Monde nichts häufiger vorkommt, als der Irrthum... Man glaubt den goldnen Schatz bereits mit der Hand zu erfassen — in diesem Augenblick jedoch entschlüpft er uns und im nächsten schon hat ihn derjenige, für welchen er bestimmt war.“

Dies sprechend, lachte der Fremde unserm dicken Freunde so recht ins Gesicht, verdoppelte seine Schritte, so daß er ihm bald vorkam und nach wenigen Schritten sich dicht hinter jener Dame, jener Brünette befand. Diese drehte sich rasch um, ließ ein Briefchen fallen, der Fremde hob es mit einer bewundernswerthen Geschicklichkeit auf und — bald war er mit seinem Schatze hinter einer Hecke verschwunden.

Herr von Althing blieb wie vom Donner gerührt auf dem Platze stehen — schüttelte das Haupt — ließ es ein wenig sinken — stieß einen schweren Seufzer aus und begab sich nach zwei Minuten Ueberlegung auf den Rückweg, indem er vor sich hin murmelte:

„Ei, ei, da glaubte ich ganz sicher zu sein. Meiner Treu, ich hätte eher meinen Kopf verwettet, als so etwas zu glauben.... Da seh’ man mal die Weiber an! Aber machen wir es mit ihnen denn besser? — Also Geduld, Freund Althing! — Du hast so manches Herz gebrochen — — gebiete dem deinigen jetzt Stillschweigen. Allons nach Hause! und neue Toilette gemacht. Ich wette darauf, an diesem ganzen Unglück waren meine begossenen Stiefel Schuld.“