„Aber, meine Freundin, ich versichere Ihnen — dieser Verein unserer Damen hat keinen andern Zweck — als Aufsehen zu erregen, und dann noch einen, welchen ich schon einmal angedeutet und hier, vor dieser Gesellschaft nicht wiederholen will....“

„Nein, nein, meine Liebe — Sie irren sich wirklich, Sie thun uns Allen so bitteres Unrecht.“

„Wem ist das größte geschehen?“ rief das Stiftsfräulein aus und öffnete dabei ihren zahnlosen Mund so gewaltig, daß man, wie am Rande eines Precipisses in der Schweiz, den Schwindel bekam — —: „Ist es nicht etwa mir geschehen? — Mir, mir, die so viele menschenfreundliche Plane hegte — mir, die den Frauenverein zu einer respektableren Bedeutung führen wollte — mir, der Erfinderin jener Composition und jener Schlösser, jener Ketten — jener Fangeisen....“

„Freilich, freilich, es war nicht wohlgethan, Sie, beste Freundin, so zu behandeln, wie geschehen ist,“ erwiederte Gräfin von Wollheim.... „man hat sich übernommen, man war zu strenge — man — —“

„Wie? man war zu strenge?!“ schrie die verkannte Edle, auf das Wort „zu“ ein Gewicht legend.... „Was hatte man für ein Recht, strenge zu sein gegen mich? — Gegen mich, ein Mitglied, welches sich rühmen kann, zeitlebens für die Tugend, die Sittsamkeit, die Menschenfreundlichkeit und für das Menschenwohl im Allgemeinen gelebt zu haben..? — für mich, die Erfinderin — die Entdeckerin so vieler vortrefflicher Dinge, welche ich alle hier nicht aufzuzählen brauche, da man dieselben hinlänglich kennt!... Oder wie, kennt man sie nicht, die Fußangeln! die Daumenschrauben? — —“

Mehrere von den buckligen und liebenswürdigen Zuhörerinnen (wir wissen, daß das Fräulein ihr eigenes Auditorium hatte) hielten sich hier die Ohren zu; selbst ihnen, die doch an Humanität auf gleicher Stufe mit ihr standen — wurde es endlich zu arg.

„Es ist indeß, wie ich Ihnen vorhin sagte, Hoffnung vorhanden, daß Ihr Wiedereintritt in den Verein nicht länger beanständigt werden wird, beste Bomben!“ nahm die Gräfin das Wort.

„Ich habe Ihnen gleichfalls bemerkt,“ erwiederte diese aufgebracht — „daß ich das nicht annehmen werde! Mich, mich soll man nie mehr — ich hab’s geschworen! — in einem Vereine sehen, dessen geheimer Zweck darin besteht — — hübsche Bauernbursche —“

Hier hielten sich die Zuhörerinnen abermals die Ohren zu, und die Wollheim wandte sich mit gefalteten Händen an die Rednerin: „Um Gotteswillen — nicht weiter, meine Freundin! Was denken Sie? Wenn diese Worte zur Kenntniß des Vereins kommen sollten!... des Vereins, der Sie ohne Zweifel wieder in seine Mitte zurückrufen wird...“

„Aber ich wiederhole zum hundertsten Male: daß ich nichts mehr mit diesem Vereine zu thun haben will. Ich bin hierzu viel zu moralisch! — Hinfort soll es mein Beruf nur sein: mich dem saubern Vereine entgegenzustellen... ihn zu bekämpfen... ihn zu ruiniren..... Oh! Oh!“ schäumte sie: „Wenn ich schon Nero’s Schwert nicht besitzen kann, um diesem hübschen Damenkranz mit einem Hiebe die Köpfe abzuschlagen.... so möchte ich doch wenigstens das Gift der Lukretia Borgia haben — — — —“ Hier hielt die genügsame Dame plötzlich inne, gemahnt ohne Zweifel von der Erinnerung, daß wir in dieser verderbten Welt auch eine Polizei haben....