„Ach, ach — ich denke, er ist an sich schon unglücklich genug; wenn man die Physiognomie dieses Menschen betrachtet, so wird man finden, daß dieselbe aus lauter Unglücken, oder deutscher: Unglücksfällen zusammengesetzt ist...“
„Mäßigen Sie sich, Herr von G—r; denn da kommt eben die Schwiegermama, und die scheint in Beziehung auf ihren Tochtermann entgegengesetzter Meinung.“
Augenblicklich entstand in diesen Versammlungen eine musterhafte Stille und die Gesichter der Herren, welche erst von Satyre und Ironie (aber ziemlich erbärmlicher) überflossen, wiesen sich so freundlich süß, wie eine Hausfrau von ihren Gästen sie nur immer erwarten kann. Ja noch mehr, diese trefflichen jungen Leute umringten die Generalin und wußten ihr in einem Athemzuge so viel Schmeichelhaftes zu sagen, daß man gemeint hätte, über deren Zungen wäre niemals etwas Anderes als Lobgesang und Psalmodei gekommen.
Nichts als Glückwünsche und zwar „aus dem Innersten des Herzens“ wurde gespendet — man pries ihr Haus über diesen neuen Zuwachs an Ehre und Glück, der demselben so eben geworden war, und dann was den Grafen Alexander von A—x betraf, so bezeichnete man ihn als „einen der ausgezeichnetsten Kavaliere der Residenz und einen der einflußreichsten Diener des Staates.“
Die alte Dame erwiederte diese Höflichkeiten mit jener Miene von Liebenswürdigkeit und jenem feinen Takte, die einer vornehmen Frau immer zu Gebote stehen und wovon die erstere durch den zweiten stets sicher geleitet und bemessen wird.
Man ordnete sich alsbald zum Tanze. Hierzu waren zwei weitläufige Säle bestimmt, wohin man sich jetzt paarweise begab. Cölestine, nun Gräfin von A—x, eröffnete an der Hand des Herrn von Labers den Zug, — Graf Alexander bot ihrer Mutter und der General der Feldmarschall-Lieutenants Wittwe den Arm. Die übrigen Gäste schlossen sich ohne Rangordnung, die in der höhern Gesellschaft nicht existirt, an — da hier mit dem Privilegium des Eintritts auch jenes der Gleichheit verbunden wird.
Gräfin Cölestine hatte zum ganzen Feste so viel heitern Sinn und eine so sichere Fröhlichkeit mitgebracht, daß alle Welt sagen mußte: sie sei glücklich und hoffe es stets zu sein. Von dem Grafen, ihrem Gemahle, ließ sich dasselbe sagen, doch schien ihn in manchen Augenblicken dieses geräuschvolle und ostensible Treiben zu belästigen; man sah es ihm an — er wünschte lieber allein zu sein mit Derjenigen, die er jetzt sein nannte. Sollte man es Besorgniß nennen, die sich momentan in seiner Miene kundgab? Vielleicht war es das nicht — und doch flüsterten zwei seiner eifrigsten Beobachter, die vielleicht früher auch seine Nebenbuhler gewesen waren:
„Ach, es ist die Eifersucht, die sich selbst in den ersten Tropfen seines Freudenkelches mischt! wie wird dies erst später werden?“
Dann lachten diese guten Herren und meinten, der Tag ihrer Rache würde schon von selbst kommen.