Einige Stunden später — Graf Alexander hatte während dieser Zeit nach der Sitte der vornehmen Welt mit seiner Frau so wenig als möglich gesprochen und getanzt — konnte ein feiner Menschenkenner Spuren eines tiefern Unmuths auf des jungen Ehemanns Stirne lesen. Und in der That, Alexander war jetzt von einem jener schrecklichen Gefühle geplagt, denen seine Seele in früherer Zeit so oft zur Beute geworden. Die immerwährende und sich stets gleichbleibende Heiterkeit Cölestinens hatte ihn bitter berührt, sie hatte ihn schmerzlich verletzt. Woher diese so bestimmt ausgesprochene Zufriedenheit bei ihr — — da doch er dieselbe nicht theilte? So fragte er sich. Der Bedauernswerthe! er bedachte nicht, daß seine Frage ein Widerspruch sei — — — waren denn ihre beiderseitigen Gemüther gleich? ja, entsprangen denn ihre jetzigen so verschiedenen Stimmungen aus einer Quelle?
So oft es der Anstand und die Umstände erlaubten, versuchte Alexander sich seiner Gemahlin zu nähern und — da traf er denn immer auf Hindernisse, die sich zwischen sie und ihn stellten.
Cölestine war eine leidenschaftliche Tänzerin, und warum sollte sie an dem heutigen Freudentage sich diesem Vergnügen nicht mindestens im selben Maße überlassen, wie zu andrer Zeit? Werden doch, wenn wir fröhlich gestimmt sind, unsere innern Triebe freier entfesselt wie sonst.
Aber so urtheilte Alexander keineswegs. Seine glühende, spanische, eifersüchtige Liebe lechzte nach dem Besitze des Gegenstandes, auf welchen nur er ein Recht zu haben meinte.... Zum Glück war sein Charakter fast eben so stolz und verschlossen wie eifersüchtig; sonst hätte er die Bewegungen seines Herzens nicht bemeistert.
Indessen wurde sein Betragen zuletzt auffallend genug, daß einige Damen und Herren, die eher gekommen waren, zu beobachten und zu secciren — als sich zu unterhalten, unter einander sprachen:
„Unser junger Ehemann scheint von höchst eigenthümlicher Sorte zu sein; man könnte fast glauben, er befinde sich hier, um die Gäste, die seine Schwiegermutter eingeladen hat — zu vertreiben...“
„Ohne eben weit zu sehen — ließ sich dergleichen von ihm im Voraus erwarten. Sie kennen den Grafen A—x also nicht?“
„O! man muß ihm aber auch Gerechtigkeit widerfahren lassen: er macht schon im Voraus das Programm zu den künftigen Gesellschaften seines Hauses. Man wird sich darnach richten können. Sie dürften nicht ganz so glänzend ausfallen, wie die junge Gräfin vielleicht beabsichtigt.“