„Man spricht davon,“ sagte Frau von Porgenau, die sich so eben näherte, „Gräfin Cölestine werde ihre jour fix am Sonnabende geben.“
„In der That?“ versetzten einige Damen und sagten zu einander im Stillen: „Um so besser, denn an diesem Tage gibt auch Gräfin Wollheim, Frau von H— — und die Marquise d’M— ihre cercles.“
„Vortrefflich! Vortrefflich!“ ließ sich in diesem Augenblick die schallende Stimme des Grafen von Wollheim vernehmen. Der große Jäger sprach jedoch nicht zu dieser Gruppe, sondern zu einer einige Schritte von hier, in deren Mitte er saß. Seine Worte galten dem ersten tanzenden Paare, über welches alle Welt entzückt war. Edmund von Randow tanzte nämlich mit seiner Schwester. Man hatte niemals ein eleganteres, ein schöneres Paar gesehen. Es war die Mazurka, ein Tanz, worin vielleicht in der ganzen Residenz Niemand so vollkommen war wie die beiden Geschwister. Man sah, daß es das nationelle Element sei, welches in ihnen zu einem so schönen äußern Leben erwache; denn wie wir wissen, waren die Randow ursprünglich Polen, und noch hatte das alte Vaterland an ihnen nicht ganz seine Söhne verloren.
Die Mazurka war zu Ende. Man konnte sich nicht enthalten, die Virtuosen zu beklatschen — — Alexander sah von ferne zu; ob er sich freute, ob nicht, ist ungewiß; allein es zuckte keine Muskel auf seinem Gesichte, welches starr, kalt, theilnahmlos oder niedergeschlagen schien. — —
Edmund verließ seine Schwester und ging kaum zwei Schritte, als er von den offenen Armen des großen Nimrod in Empfang genommen wurde. Denn beiläufig gesagt, waren Edmund und der alte Graf von Wollheim sehr große Freunde, weil Jener mit Diesem auf die Jagd ging, trank und spielte, von welchen Beschäftigungen sämmtlich unser Nimrod ein großer Liebhaber war.
„Alle Hirsche und Rehe!“ rief Letzterer aus: „Edmund, Du hast Dich wacker gehalten. Fast so wie auf jener großen Treibjagd, Anno 1839, wo Du unter meiner Leitung Dein Meisterstück machtest. — Aber wo zum Guckuck hast Du diese Gelenkigkeit in Deinen Knieen und Flechsen her?... ein Pullcinell hätte es nicht besser thun können....“
„Ganz recht, lieber Graf,“ versetzte der Jüngling; „übrigens machen Sie mir da kein Kompliment. — Freilich ist es nicht Ihre Sache, von diesen Dingen zu sprechen — und aufrichtig gesagt, ich unterhalte mich mit Ihnen tausend Mal lieber über unsre alten Gegenstände.... Kommen Sie daher, mein vielgeliebter Wehrwolf... lassen Sie uns dorthin zur Kredenze treten — erst einige Schluck Wein und dann findet sich schon das Uebrige...“
„Köstlicher Junge! Köstlicher Junge!“ exklamirte der Jäger: „Er ist und bleibt immer derselbe. Nun fürwahr, an Dir, mein Edmund, habe ich mir einen Schüler erzogen, auf welchen ich stolz sein kann.... Allein, was meinst Du, wird uns nicht etwa Deine Mutter belauschen? Du weißt, sie sieht Dich nicht gerne mit dem Glase in der Hand.... Es scheint mir, auch Dein Vater schielt nach uns herüber.... Nehmen wir uns in Acht! Hübsch gescheidt, mein Jüngelchen.“
„Schon gut!“ entgegnete Edmund: „Kommen Sie nur... ich verspüre in mir einen teufelsmäßigen Durst.... Das kommt stets, wenn ich ein Mal etwas lang solid gewesen bin...“
„Ja, ja, Du hast Deiner Schwester heute den Hof gemacht, und zwar —“