Da fühlte er sich von zwei heißen Armen umschlungen.... Vor ihm knieete Cölestine, sein Weib.

Ihm schwindelte und er wollte das nicht glauben: „Es ist ein Traum!“ murmelte er vor sich und schüttelte das Haupt.

„Es ist kein Traum, mein Geliebter!“ lispelte es ihm so süß von den Lippen der Geliebten entgegen, daß er die Hand nach ihr ausstreckte. Und was er erfaßte, war warmes, holdes, köstliches Leben.... er konnte nicht widerstehen, er tauschte das seinige damit aus — mit fieberischem Entzücken stürzte er sich in dieses jetzt zur klarsten Einheit gewordene Doppeldasein: sie versanken beide in seinen unergründlichen, schwindelnden Tiefen. —

„Aber, meine Seele,“ sagte er darauf: „wie kommst Du hierher? Und wird man Dich mir nicht sogleich wieder entreißen?“

„Fürchte nichts, mein Geliebter!“ flüsterte sie und schmiegte sich ihm innig an, wie der Epheuzweig einer starken Säule....: „Jene Menschen, die uns einen ganzen Tag lang von einander gerissen — haben nicht die Macht, uns auch noch die Nacht zu rauben. Alles entfernt sich bereits aus den Sälen unseres Hauses — es ist ein wilder Tumult — und in diesem stahl ich mich weg, um Dich aufzusuchen. — Wenn Du glaubst, ich folgte Dir nicht überall mit den Augen, so hast Du Dich betrogen!... O Du wähnest, daß nur Du mich liebst! So weißt Du nicht, daß ich mich ganz, ganz Dir zu eigen gegeben habe? — Diese Stunde soll es Dir sagen. Spricht sie nicht mit tausend Geisterzungen meine Liebe Dir aus — — so wird nie eine andere es Dir sagen. — Ja, ja, ich liebe Dich — tiefer, seliger, und ernster vielleicht, als Du mich.... Urtheile nicht voreilig über uns beide! Glaube meinen Worten!“

„Ja, sie reden jetzt mit überzeugender Gewalt zu mir!... Du bist mein — und hast Dich aus freiem Trieb mir übergeben, und so mußt Du mich ja lieben! — Entschuldige meine Thorheit, die mich vorher sich wie ein Kind betragen ließ.... Allein wenn man im innersten Herzen erregt ist, dann, in Wahrheit, geht man seines Verstandes verlustig, man wird ein Narr, ein Wahnsinniger, ein Elender!“

„Sprich, geliebter Engel — —“ kos’te das holde Weib, das auf seinem Schoße saß — „sprich,“ sagte sie mit einem Tone, der klang und duftete wie eine wehende Rose: „wirst Du auch immer so sein, wie jetzt? Wirst Du mich immer lieben? — — Denn jetzt, ich weiß es, werde ich von Dir vielleicht mehr geliebt, als irgend ein Weib von einem Mann. Aber wird dies auch immer so bleiben? Kannst Du mir dafür Gewißheit geben?“

„Und würde es Dich glücklich machen, wenn ich das könnte?“

„Gewiß — mein Alexander! Liebte ich Dich nicht, hätte ich Dich nicht genommen.... und weil ich Dich liebe, muß ich ja wünschen, daß es immerdar so bleiben möge.... Allein es ist ein böser Zustand, hiefür keine Bürgschaft zu haben.... Höre mich, mein Gemahl! So wie ich jetzt fühle und denke — würde ich die Hälfte meines Lebens dafür geben, wenn ich sicher wäre, daß während der andern Hälfte ich auch nicht einen Gran von Deiner Liebe einbüßen sollte!.... Glaubst Du meinen Worten, oder meinst Du, ich treibe nur Scherz?....“