„Zum Beispiel —! — Ach, wozu erst viele Beispiele. Ich weiß, woran ich bin und damit gut. Uebrigens weißt Du, daß ich in diesen Dingen nicht von heute bin. Man hat Erfahrungen — man hat Abenteuer gehabt von allen Sorten.... kurz, man war glücklich... hehe!“
„Doch was seh’ ich!“ rief Edmund plötzlich: „Kommt sie da nicht schon wieder?...“
Rasch blickte der Alte durch’s Fenster: „Richtig! Richtig!“ rief er freudig aus.. „Nun, was sagst Du dazu, mein Junge! Siehst Du den Blick, welchen sie mir zuwirft.... hahaha! Wirst Du nun noch länger zweifeln.... daß man Sieger, daß man Geliebter des Herzens ist?“
Und kaum hatte er das gesagt, als er nun wieder aufsprang und — diesmal von den Aufwärtern — ungefährdet hinaus lief. Doch lief ihm fast das ganze Kaffeehaus nach und Alles lachte über eine Begebenheit, welche bisher in den Annalen von Daum’s Caffée unerlebt war.
Unter den Zuschauern, welche sich jetzt vor der Thür des Etablissements aufstellten, um dem Alten nachzusehen, befand sich auch Edmund. Er nahm sich vor, seinem verliebten Freunde zu folgen und ihn nöthigenfalls zu hindern, abermals einen dummen Streich zu begehen. Denn hatte der junge Mann auch jenem Auftritt im Kaffeehause mit ruhigem Blute beigewohnt und sich an demselben auch noch obendrein erlustigt — so war er gleichwohl, nach Art gutmüthiger Menschen, sogleich bereit, sein Vergehen durch eine edle That zu sühnen.
Althing verfolgte die Grisette inzwischen Schritt für Schritt; er ging ihr über den Kohlmarkt, den Michaelerplatz, die Herrengasse bis zur Freiung nach — — aber er bemühte sich vergebens, sie einzuholen, denn das Mädchen hüpfte leichtfüßig wie ein Reh, während er Mühe hatte, seinen dicken Bauch fortzubringen; und dann genirten ihn auch seine Sporren, mit denen er alle Augenblicke anstieß und hängen blieb. —
Aber der Eifer des Jägers wächst mit der Mühe der Verfolgung — und man sah es dem dicken Adonis an: er wollte sich lieber seine Beine und seine Lungen zu Grunde laufen, als von seinem Vorhaben, das Mädchen zu erreichen, abstehen.
Endlich schien das Glück sich ihm wieder zuzuneigen. Die Kleine, auf dem tiefen Graben angelangt, wohin sie jetzt ihre Schritte lenkte, mäßigte die letzteren.... das gab dem Alten neuen Lebensmuth, und er ruderte ihr nun aus Leibeskräften nach, wobei sich Arme, Beine, der Kopf, kurz der ganze Körper bewegte. —
„Ah!“ dachte Edmund, der immer in einer kleinen Entfernung nachzog — „sollte es wider Vermuthen günstiger ausschlagen? Doch, das ist unglaublich! — Sehen wir nur nach, was es wieder geben wird.“
Schon hatte Althing die Grisette erreicht; — er rückte ihr an die Seite und flüsterte ihr Etwas in’s Ohr... man konnte von hinten sehen, zu welcher freundlichen Fratze er sein rothes, schweißtriefendes Gesicht verzog; — — jetzt trennte ein Schubkarren, welcher mitten zwischen die beiden fuhr, den Ritter von seiner Dame.... und Jener mußte ein wenig zurückbleiben.... er wollte ihr rasch wieder nachspringen, aber in diesem Momente trat die Grisette in ein Haus, und unserem Dicken, welcher seinen Fuß schon auf die Schwelle gesetzt hatte, wurde die Thüre vor der Nase zugeschlagen... so daß wenig fehlte und er wäre um die letztere gekommen...