Er prallte heftig zurück und auf eine Frau, die zu dieser Zeit eben vorbeiging und auf den Armen einen Korb voll Gemüse trug; es war eine Fratschlerin (Höckerweib) — man weiß was eine Wiener Fratschlerin zu bedeuten hat.

Augenblicklich entlud sich eine Fluth von Schimpfwörtern aus ihrem Munde: „Der alte Mensch da! — Da seht ihn einmal an! Ist er toll? Wirft sich da in meinen Gemüsekorb hinein — als gehörte er darunter.... Nun ja, er sieht mir auch gerade so aus, wie ein hohler Kürbis.... Tausendsapperment hinein!“[B]

Althing schien der Verzweiflung nahe zu sein... Er hatte gänzlich den Kopf verloren; er wußte nicht wie ihm geschah — und blickte bald das tobende Höckerweib hinter, bald das Haus vor sich an.... Allein auf beiden Seiten war nichts Tröstliches zu sehen, und der wackere Mann schüttelte jammervoll sein edles Haupt....

Da warf er einen zerknirschten Blick nach den sechsten Stockwerk hinauf und murmelte wehmuthsvoll: „Dort oben soll sie wohnen, wie sie mir gesagt hat; aber wozu sagt sie mir dieses, wenn sie mir die Thüre vor der Nase zuschlägt?.... O, Althing, so ist Dir noch niemals mitgespielt worden! —“

Die Fratschlerin war wieder langsam weiter gegangen, jedoch nicht ohne noch immerwährend zu fluchen und sich von Zeit zu Zeit nach dem Unglücksmanne zornig umzusehen. Was Edmund betrifft, so hatte sich dieser hinter einen Mauervorsprung zurückgezogen und sah von hier aus dem Treiben seines alten Kameraden zu. Er wartete blos auf die Gelegenheit, wie ein echter Retter in der Noth hervorzuspringen, falls dieses irgend nöthig sein sollte. Ach, wahrhaftig! er wartete vergebens; die Gelegenheit überrumpelte ihn und seinen Freund, wie ein unbarmherziger Feldherr seinen gar zu sicheren Gegner....

Während nämlich Althing noch immerfort nach den Fenstern der sechsten Etage hinaufsah — denn er vermochte nicht sein Auge von da abzuwenden — wurde plötzlich aus einem dieser Fenster, gerade über seinem Haupte, ein Gefäß ausgeleert, dessen Inhalt den armen Ritter völlig überfluthete, so daß er laut aufschrie: „Ah! Ah! — Feuer! Feuer!“ und zuversichtlich noch mehrere ähnliche Rufe herausgestoßen haben würde — wäre in diesem Augenblick Edmund nicht herbeigelaufen und hätte sich seiner bemächtigt, um ihn hastig in’s nächste Haus zu ziehen und so der Polizei, die unfehlbar sogleich herbeieilen mußte, zu entreißen.

Denn ein unbegründeter Feuerruf mußte in Wien mit einer artigen Summe bezahlt werden.

Althing’s Kleider verbreiteten eben keinen angenehmen Geruch; zum Glück war es indessen blos Seifenwasser oder etwas Aehnliches. — — Der Dicke triefte wie ein Pudel und überdies schien ihn sowohl vor Schreck als vor Kälte ein Fieber ergriffen zu haben, denn er bebte, zitterte und klapperte mit den Zähnen, daß es ein Erbarmen war. —

„O, mein Freund!“ sagte er zu dem Jüngling: „Beweine mich! — Ich bin ein Märtyrer der Liebe geworden! — Ach, wäre ich nur schon zu Hause, um andere Kleider anzuziehen! — Der Zustand dieser hier wird mich tödten.... O, hätte ich das träumen können! — Ich, ich, der so viele Siege davon getragen hat; der mit Cäsar sagen konnte: veni, vidi, vici — — — und nun eine solche Erfahrung zu machen...... Allein,“ fuhr er nach einigen Augenblicken fort, indem er sich im Gesichte mit der Hand herumwischte.... „was bemerkst Du an meiner Physiognomie, Edmund?“

„Ich bemerke, daß sie voll Ruß ist; ihr unterer Theil sieht wie bei einem Schornsteinfeger aus.... Dein Schnurbart hat seine Farbe gelassen. — —“