„Wir wissen nichts, wir wissen es nicht!“ antworteten mehrere Stimmen!

„Es war ein dicker Herr,“ rief jetzt eine —; „er muß in diesem Hause verborgen sein! — ich sah ihn da hinein laufen...“

„O mein Edmund!“ ächzte Althing und fiel bewußtlos seinem Freunde in die Arme.

Nun wurde die Thür geöffnet und ein Polizeimann trat ein; sogleich deutete ein Weib mit einem Korbe, die zu gleicher Zeit erschien, auf den Ohnmächtigen und rief: „Der da ist es gewesen! Der da hat Feuer geschrieen! Das ist der Vogel — — der früher auch in meinen Korb hinein flog, als hätte er sechs Tage nicht gefressen...“

„Mein Herr von Randow,“ bedeutete der Polizeisoldat gegen Edmund — denn der Dicke hörte nichts — „da ich so glücklich bin, Sie und diesen Herrn hier zu kennen, so ersuche ich Sie, falls es Ihnen nicht lieber wäre, sich sogleich auf die Direktion dieses Viertels zu bemühen — — einige Stunden später daselbst zu erscheinen, um über den Feuerruf, für dessen Urheber man Sie ausgibt, die nöthige Auskunft zu ertheilen...“

Nach diesen Worten empfahl sich der Diener der öffentlichen Sicherheit, wobei er nicht vergaß, mit der Spitze seiner Finger den Czako zu berühren.... zugleich jagte er die Schaar der Neugierigen, welche sich vor dem Hause angesammelt hatte, wie dies in Wien häufiger als anderswo zu geschehen pflegt, auseinander und öffnete so unsern beiden Freunden freies Feld, welches diese denn auch benutzten, nachdem Althing wieder zu sich gekommen war.

Edmund packte denselben in einen Fiaker und schickte ihn nach Hause; er selbst wurde von Verrichtungen nach einem andern Theile der Stadt gerufen.

Es war in der Nähe des Augartens, wohin er in einem Wagen sich bringen ließ. Eben stieg er aus, in der Absicht, sich nach einem von den schönen neuen Häusern, welche dort stehen zu begeben, — als ihm aus der Allee, welche den Augarten von Außen umgibt — ein Mensch entgegen stürzte, der auf den ersten Anblick einem Wahnsinnigen nicht unähnlich sah. — Ohne Mühe erkannte unser Freund den Baron von Leuben, jenen glühenden Verehrer Cölestinens, welchen wir auf dem Wasserglacis kennen gelernt haben. Aber was war mit dem Menschen vorgegangen! Sein Anzug sah im höchsten Grade zerrüttet aus, so als hätte er ihn seit 8 Tagen nicht gewechselt und als hätte er die Nächte auf freier Straße oder im Felde liegend zugebracht. Das Gesicht war fahl und eingefallen, die Züge verzerrt — das Haar flatternd, allen Winden Preis gegeben....

„Sind Sie es oder sind Sie es nicht?“ rief er Edmund an und faßte ihn bei der Hand.