„Nicht blos: Sie hätte, bester Freund! Sie hat, sie hat die Absicht, mein Lieber! Sie hat, sag’ ich — und setze noch hinzu: ihm höchstwahrscheinlich die Hand schon gegeben.“ Hier schwieg der Alte und fuhr auf seinem Sitze ungeduldig hin und her, weil sich zwischen ihn und seinen Gegenstand Jemand gestellt hatte, so daß er zu jenem durch seine Lorgnette nicht hinüber sehen konnte.
„Aber“ fuhr der Jüngling fort: „das ist ja ganz unmöglich! Sie sprechen da eine Absurdität aus, lieber Althing. — Es ist unmöglich, sag’ ich! ich kann es nicht glauben.“
Ohne sich an diese Rede zu kehren, rief der Seladon, der nunmehr wieder sein vis à vis sah: „Ach! Ach! Welche Formen! Welch herrlicher Wuchs! Welcher Gliederbau! Welche Taille — — und besonders, welches göttliche Gesicht! — Wahrhaftig, das ist eine Juno — oder nein eher noch eine Venus.... eine.... eine.... Allein, wer ist dort jener junge Gelbschnabel, der sich beständig an sie drängt? Offenbar mag sie nichts von ihm wissen — — und hat ihre Blicke beständig hierher nach mir gerichtet. O, glücklicher Althing! Du bist noch immer jener große Besieger der Weiberherzen........ Allein, bei Gott, diese verdient Dich auch im vollsten Maße.“
„Von wem reden Sie, Althing?“ erhob der Jüngling jetzt Kopf und Stimme: „Reden Sie von Cölestine von Randow?“
„Ei bewahre!“ entgegnete der Andere lachend: „Ich rede — — sehen Sie denn nicht dort, meine Göttin dort — von ihr dort rede ich — — sehen Sie dort — dort — bester Baron! dort sehen Sie sie, bester Leuben!... Ha, beim Himmel! so eben hat sie mir einen Blick zugeworfen; einen Blick sag’ ich Ihnen! Haben Sie ihn denn nicht bemerkt?“
Leuben, denn so hieß der Jüngling, hatte schon wieder das Haupt auf die Brust fallen lassen und fragte jetzt eintönig:
„Und Sie wissen es also wirklich?“
„Es ist so klar, wie die Sonne. Ueberzeugen Sie sich doch selbst, mein theurer Freund.“
„Man hat es Ihnen also nicht blos gesagt? Sie haben es nicht blos vom Hörensagen —?“