„Welche Versorgung uns indeß oft sehr große Sorgen verursacht... hahahaha! hahahaha! hahahaha!“ rief Herr von Porgenau, und dies war sein neuester Witz.

„Ach, was dieser Porgenau — witzig ist!“ schrie seine Gemahlin, von der wir noch nicht erwähnt haben, daß sie die staunende Bewunderin des Genies ihres Mannes war — und stets in dessen unmäßiges Gelächter einstimmte, sobald derselbe ein soi-disant Bonmot machte. „O, wie glänzend seine Einfälle heute wieder sind!“ und hielt sich die Seiten, was ihr sehr schwer wurde, denn sie hatte verschiedene sehr große Seiten. Sie war so ein verkleinerter Abguß des Heidelberger Fasses.

„Meiner Treu!“ meinte der Graf von Wollheim: „diese Aeußerungen über den Chevalier stimmen keineswegs überein — — und wollte man sich nach ihnen halten, würde man von Herrn von Marsan nur ein sehr schwankendes Bild erhalten. Indessen scheint mir die Meinung meines Freundes Edmund da — nicht ohne Gewicht, da derselbe den Ritter bereits seit so langer Zeit kennt, und überdies ein Jüngling ist, auf dessen Urtheil und Wort ich ungeheuer viel gebe....“

„Dies scheint mir,“ fuhr die Stiftsdame mit ihrem schneidenden Tone dazwischen — „eben kein großes Kompliment für uns — —“

„Erlauben Sie, mein Fräulein,“ schrie der Jäger, roth werdend vor Zorn — „erlauben Sie —“ wiederholte er mit einer Stimme, als befände er sich im Walde und hätte sein Horn verloren.... „erlauben Sie!...“ Er konnte vor lauter „Erlauben Sie“ nicht weiter; — seine Entrüstung war zu groß....

Diese wuchs noch, wo möglich, als Fräulein von Bomben sich ruckweise mit ihrem Stuhle zurückzog und stets rief: „O mein Gehör! Mein armes Gehör! — Mein unglückliches Gehör! — Gnade! Gnade! —“

„Das heißt wohl so viel, als, daß ich in Ihrer Nähe verstummen soll — ich, ein alter Jäger, der schon vor manchem größern Ungeheuer nicht verstummt ist.... Alle Donner und Wehrwölfe!“ Der Nimrod hatte sich mit diesen Worten Luft gemacht — aber die Stiftsdame war bei ihrem Klange auch leblos auf die Lehne ihres Stuhles zurückgesunken, indem sie leise das Wort „Ungeheuer!“ flüsterte. Sie verdrehte ganz entsetzlich die Augen und bald schien sie nicht mehr zu athmen.... Man konnte sie für todt halten.

Dies war für den argen Nimrod ein ungeheures Gaudium und er unterließ es nicht, dasselbe auf folgende Weise auszuschreien: „Ah — sie ist in Ohnmacht gesunken, die vortreffliche Frau!... Fräulein, wollt’ ich sagen.... Wie schade um eine so liebenswürdige, gutmüthige Dame! Ach, sie hat ein zu weiches Herz! Dies war immer ihr größter Fehler. Sie, die keiner Mücke weh thun kann — empfindet natürlich selbst jede Verletzung in dreifachem Maße... Ach! daß ich das so wenig berücksichtigt habe! — Und was vollends ihre Tugend — ihre Reinheit betrifft....“

Hier vermochte das Fräulein nicht länger ohnmächtig zu bleiben. Sie, die früher einer Verstorbenen ähnlich gesehen, sprang jetzt plötzlich mit solcher Lebhaftigkeit auf, als sollte es zum Hochzeitstanze gehen: „Was?“ rief sie aus: „Welche Worte! Welche abscheuliche Rohheit! — Und dieser sieht man sich in einer auserlesenen Gesellschaft ausgesetzt! Ist dies das Haus der Generalin von Randow, jener vornehmen Dame, die zu den ersten unserer haute crême zählt — — oder was ist dies Haus für eines? — — —“ Sie überließ sich, wie man sieht, wieder so ganz recht ihrer milden Suade. Mittlerweile war die Hausfrau bereits längst an ihren Stuhl getreten und hatte die Erzürnte zu besänftigen gesucht — wobei sie von noch zwei oder drei Damen unterstützt wurde. Den alten Waldmenschen aber hatte auf einen Wink des Generals Edmund bei Seite genommen und, da die Gelegenheit dazu eben günstig war, (das Mahl neigte sich nämlich seinem Ende zu) ihn aus dem Saale weggeführt.