Die Gute richtete das Glas beständig nach dem Klavier, welches in der Mitte des Salons stand — ihre Augen indeß schweiften beständig um die Gruppe, welche seitwärts war und in welcher Gruppe sich Marsan befand.
Edmund verließ seinen Freund nicht. Augenscheinlich jedoch schien er von diesem zurückgehalten, — selbst Cölestinen, der geliebten Schwester, hatte er sich noch nicht zum zweiten Male genähert. Sie war indeß von anderen Personen so zahlreich occupirt, daß sie den Bruder kaum entbehrte. Nur nach Alexander warf sie von Zeit zu Zeit Blicke, deren zärtlicher Ausdruck immer ungestümer zu sagen schien:
„Ach, wäre nur dieser Tag schon zu Ende!“
Er war darüber glücklich wie ein König; und dieses Glück im Herzen, wie sollte er seiner Umgebung nicht liebenswürdig erschienen sein. In der That hieß es allenthalben:
„Aber haben Sie den Grafen A—x je so gesehen, wie heute? Er ist ein ganz Anderer geworden.“
„Die Ehe scheint ihm sehr wohl zu bekommen.“
„Ein düsterer Timon hat sich da zu einem Ausbund von Artigkeit und Galanterie verwandelt. Haben Sie je früher bemerkt, daß er sich mit einer fremden Person länger als zwei Minuten unterhalten hätte? und heute amüsirt er eine Gesellschaft von zehn bis zwölf Personen so unvergleichlich — daß sie seine Nähe nicht verlassen, die nichts als Frohsinn und Heiterkeit zu verbreiten scheint...“
„O — meine Herren,“ sagte ein dritter; es war dies ein Jüngling, der für sehr unternehmend galt und ungeheuer viel Erfahrungen gesammelt haben sollte: „man muß in dieser Zeit heirathen... damit ist Alles gesagt, d. h. Alles gethan. Sie glauben, gewisse Menschen mache die Liebe glücklich, die sie in der Ehe finden — es zeigt sich jedoch, daß sie blos das Geld glücklich gemacht hat... Bei Andern ist es umgekehrt. Was endlich die dritten betrifft, so wissen sie selbst nicht, weßhalb sie nach ihrer Verheirathung glücklicher sind — als vor derselben.... Es gibt Leute, denen man allerhand in den Kopf setzen kann.... haha!“ Der Jüngling lachte äußerst selbstgenügsam.
„Es scheint jedoch nicht — daß Graf A—x unter Ihre dritte Classe gehört, mein Lieber!“ versetzte einer der Vorigen: „Dieser Graf scheint recht gut zu wissen, was er besitzt.“