„Und er blieb Ihnen auch diese nicht schuldig, hahaha!“

„— O — aber, meine Theure, glauben Sie mir, es beweis’t einen sehr schlechten Geschmack, einen Marqueur zum Geliebten zu haben...“

„Der Geschmack ist verschieden. Was mich betrifft, so ist mir ein hübscher Marqueur viel lieber — als ein häßlicher alter Geck.... Ich habe in dieser Hinsicht den Geschmack so mancher Fürstin und brauche mich seiner also nicht zu schämen...“

„Allein...“

„Allein, mein Herr, ich erlaube mir Ihnen zu bemerken, daß dies Gespräch mich bereits dermaßen langweilt — daß ich, sofern Sie mich nicht augenblicklich verlassen, ernstlich auf Mittel denken werde, mich von Ihnen zu befreien.... Ah, dort sehe ich meinen Freund! Es ist Franz, der Polizeikorporal. — — Heda! Herr Franz! Herr Franz, hören Sie!“

„Um Gotteswillen!“ rief der Dicke erbleichend und einen Satz seitwärts machend, daß er von der Grisette weg bis mitten auf die Straße gerieth: „verschonen Sie mich mit Ihrem Freund! — Von dieser Gattung Freunde habe ich schon genug erfahren!...“ Und ohne sich weiter lange zu bedenken, machte unser Liebesheld schnell noch einen Satz, welcher ihn bis zur andern Seite der Straße brachte — ließ Liebe, Leidenschaft und Zärtlichkeit im Stich und schlug eilends einen Weg ein, der entgegengesetzt von demjenigen war, welcher die Grisette mit ihrem „Freunde“ zusammenführte.

„Teufel!“ meinte Althing, als er endlich nach langem Rennen sich in der Gegend der Piaristen in Sicherheit fand —: „Teufel! dieses Mädchen hat aber auch ganz kuriose Freundschaften: Marqueurs, Polizeikorporale und ähnliche Staatsmänner.... da bleibe ich, aufrichtig gesagt, recht gern aus dem Spiele. — Allein, was man auch sagen mag,“ fuhr er fort, „sie bleibt doch eine ganz allerliebste Hexe — und wäre nur wenigstens der verdammte Polizeikorporal nicht — ich glaube, sie würde mir noch immer den Kopf verdrehen können.... Allein, so wie die Sachen stehen, bin ich freilich vollkommen geheilt und preise mein Schicksal, das mir zum zweiten Male beistand gegen Anfechtungen der Polizei.... Jedoch in Zukunft will ich mich auch in Acht nehmen und nicht mehr so hineinstürmen in’s Leben und in die Liebe. — Alle Donner! mein lieber Althing — Du hast freilich auch ein viel zu hitziges Temperament! Das Jugendblut schäumt noch zu sehr in Deinen Adern! Du mußt Dich gewöhnen, kälter, hartherziger, stolzer zu werden.... Dann werden Deine Siege sich verdreifachen — wiewohl, was ihre Zahl betrifft, Du mit ihnen auch jetzt nicht eben unzufrieden zu sein brauchst — haha!“ Er fing an seine Schritte zu mäßigen; jetzt machte er die Bemerkung, daß die Menschen, bei denen er vorbeikam, Blicke nach ihm warfen: „Was hat das zu bedeuten?“ fragte er sich. — „Nun, nun — was wird es wohl zu bedeuten haben? Sie sehen Dich an, mein guter Althing, das ist Alles. — Die Liebe hat so eben Deine Wangen geröthet, — Dein Auge glänzt noch im höhern Feuer, alle Muskeln Deines Körpers zeigen eine gewisse Elastizität: es ist kein Zweifel, Du imponirst diesen Leuten — sie bewundern Deine Gestalt — Deinen Reiz.“ — Er fuhr selbstgefällig fort: „Das, was man nicht von Natur hat, kann man sich nicht selber geben. Die Schönheit ist ein Geschenk Gottes.... Man kann sie nicht erwerben. — Wie muß ich über so manchen armen Teufel lachen, der von dem Allerhöchsten in dieser Hinsicht weniger bedacht ward — wie muß ich über seine Anstrengung lachen, sich schöner zu machen, als er ist... Ach, mein Guter, sag’ ich ihm dann: lass’ das! alle Mühe ist hier vergebens. Du wirst nie ein erträgliches Gesicht zu Stande bringen, — alle Deine Salben, Pomaden und Schminken nützen Dir zu nichts. Bei uns hingegen thut es einfaches Brunnenwasser — ein bischen Seifenschaum dazu! Wir sind in dieser Hinsicht wie unsere Göttin: die holde Venus. Ihre und unsere Reize steigen fertig aus Wasser und Schaum hervor. —“

„Aber zum Guckuk — — was sehen mich denn diese Menschen gar so sehr an, und einige lachen noch dazu?... Sollte meine Gestalt heute ungewöhnlich verführerisch sein?... Ach, sie werfen ihre Blicke nach meinen Beinen... haha! Ja, unsere Beine!... Alle Donner!“ fuhr er plötzlich auf, nachdem er seine stolzen Blicke hinabgerichtet hatte auf seine Füße: „Was ist da mit meinen Beinkleidern geschehen? — Sie sind lauter Fetzen! — — O verfl— Sporren! O Unglück! — O entsetzliches Unglück!“ Und er lief so schnell er vermochte in den offenen Thorweg eines Hauses hinein — einige Gassenjungen aber, die ihm beständig gefolgt waren, stellten sich draußen vor dem Thore auf und erhoben ein lautes Geschrei:

„Wohnt kein Tandler hier! Wohnt kein Tandler[D] hier! Es will Einer eine alte Hose verkaufen! Eine Hose! Eine Hose!“