„Auf Ehrenwort, das trifft mich nicht! — Ich habe noch in meinem Leben keine Seele gekauft. Was soll ich mit diesem Artikel? — Er ist nicht courant! — Auf Ehrenwort, behalten Sie Ihre gnädige Seele — und geben Sie mir lieber mein Geld....“

Edmund ging mit raschen Schritten im Zimmer auf und nieder... er hatte tausend Mal Lust, den Spitzbuben zu erwürgen; aber damit half er weder sich noch seiner fatalen Lage. Er brauchte Geld, er brauchte 300 Dukaten, keinen Pfennig weniger... Er hatte eine Schuld zu bezahlen, die morgen fällig war und welche nicht zur Wissenschaft seines Vaters gelangen durfte; denn wiewohl der alte General seinen Sohn liebte — so stand gleichwohl der Grundsatz bei ihm fest — nicht einen Thaler an Edmunds Gläubiger zu bezahlen. Er wollte diesen dadurch vom Schuldenmachen abschrecken. Vergebliche Mühe! — Ein junger Mensch wie dieser, den Verlockungen seiner Standesgenossen und Freunde — dem Anbringen jener Blutigel, welche an dem Mark einer großen Stadt saugen, preisgegeben — war von diesen Wegen nicht abzuhalten — oder man hätte seiner ganzen Erziehung eine strengere Haltung, eine ernstere Richtung geben müssen, woran es jedoch im Hause des Generals gänzlich fehlte: er selbst mochte in seiner Jugend nicht die wenigsten tollen Streiche gemacht haben.

Während Edmund so auf und ab lief, sah der biedere Herr Lips ihm ruhig zu. „Was soll das Alles heißen?“ sagte er achselzuckend: „Wozu rennen Sie so umher, Gnädiger! — Auf Ehre, damit wird die Sache nicht besser werden.... Oder können Sie, wie Schillers Wallenstein, „Dukaten aus dem Boden stampfen?““

Meister Lips war auch in der Literatur bewandert. Ja, ja — dieser Mann konnte Alles. Er wußte aus seiner Waare immer drei und vierseitigen Nutzen zu ziehen. So pflegte er die Bücher, welche man bei ihm verkaufte,[E] zuerst selbst zu lesen, sodann verlieh er sie für Geld an Andere — dann gab er sie seiner Tochter zum Lesen (sie war ein sehr gebildetes Fräulein und hieß Philomela) und endlich verkaufte er dieselben.

— In diesem Augenblick sprang Edmund auf, lief nach einem Schranke, öffnete ihn und zog eine Pistole heraus. Mit grimmigem Tone schrie er: „Jetzt, nichtswürdiger Elender, wirst Du mir Geld geben — oder beim Allmächtigen!“ Und hiermit legte er die Pistole nach ihm aus...

Doch Lips war bei dem Manoeuver kein bloser Zuschauer geblieben. Flink wie der Wind hatte er seine Keule erhoben — und an eine Feder gedrückt — sogleich verwandelte sich diese bescheidene Keule zu einem allerliebsten Doppelgewehre, dessen Mündungen sich noch überdies trompetenförmig erweiterten (wie die alten Musketons), daß die Ladung (gewöhnlich bestehend aus einem Dutzend kleiner Kugeln) sich in die Höhe und Breite zerstreuen konnte und also ihren Gegenstand mehrfältig traf.

Man muß gestehen, dieser Lips war ein Originalmensch.

Als Edmund solche Demonstrationen sah, konnte er, so wüthend er war, das Lachen nicht halten. Die Pistole warf er auf den Tisch — und ließ sich auf einen Stuhl nieder:

„Aber zum Teufel!“ sagte er — „Du bist ja eine wahre Festung, mein Freund Lips!..“