„Herr Lips, mein Vater bezahlt für mich nichts. Sie wissen es sehr gut.“
„Dann wird Mama es thun....“ fuhr der Wucherer fort und schwang seine Keule....
„Meine Mutter kann es ebenfalls nicht, da die Kasse sich nicht in ihren Händen befindet....“
„Ferner haben Sie eine geliebte und liebende Schwester, mein Freund....“
„Auch Cölestine ist nicht im Stande, mir zu helfen....“
„... Zuletzt bleibt uns noch immer der Herr Graf von A—x, auf welchen ja auch dies Haupt-Papierchen ausgestellt ist....“
„O — um aller Seligkeit willen.... mein Herr!“ schrie Edmund auf: „bringen Sie mich nicht zum Wahnsinn! — — Das Alles, was Sie da vorgeschlagen haben — hilft zu Nichts. — Allein, Sie reden immer von 6000 Dukaten .... mein Herr! Habe ich Ihnen denn nicht vor ein paar Tagen einen Schmuck im Werthe von fast eben so viel überliefert.... weil Sie mir schon damals mit der Geltendmachung des unglückseligen falschen Papiers — zu dessen Anfertigung ich mich in halber Trunkenheit verleiten ließ — drohten.... Und diesen Schmuck rechnen Sie für nichts....“
„Ei bewahre!“ versetzte Lips: „wie sollt’ ich das? Halten Sie mich nur nicht für einen so unbilligen, gefühllosen Menschen! — Diesen Schmuck im Werthe von fast 5000 Dukaten gaben Sie mir (Sie müssen sich dessen noch erinnern,) als blose Abschlagzahlung, weil ich damals von Ihnen neben diesen dreien annoch im Besitze von zwei älteren Papierchen war — wir haben die ersteren vernichtet und ich habe mit dem verfänglichen bösen Rechte gezögert bis zum heutigen Tage, wo Sie mir das Ganze bezahlen (will sagen diese 3 vorliegenden Wechselchen honoriren) sollen — oder aber Alles steht wie zuvor. Ist das klar gesprochen?“
Nach einigem qualvollen Grübeln versetzte Edmund: „Hören Sie mich, mein Herr! Um was ist es Ihnen zu thun? — Um Bezahlung, nicht wahr? — — Nun denn: warten Sie noch einige Tage.... mittlerweile werde ich Gelegenheit haben, mit meiner Schwester — vielleicht auch mit meinem Vater zu reden. Denn so geradezu kann ich mit einer solchen Forderung nicht vor sie hintreten. Der Letztere würde es mir kurzweg abschlagen — ja, erführe er den vollen Thatbestand — so wäre es mit mir für immer aus; meine Schwester aber müßte, angenommen, daß sie Etwas thun könnte — die Summe jedenfalls erst zu borgen suchen.... denn sie kann über ihr Vermögen bis jetzt noch nicht verfügen... Geben Sie mir also 5–6 Tage! Herr Lips — —“
„Fünf bis sechs Tage!“ schrie dieser: „Wo denken Sie hin, das ist unmöglich! Bis dahin gehe ich ohne das Geld zu Grunde!... Fünf bis sechs Tage! — Um Gotteswillen machen Sie mich nicht unglücklich!“