„Sie können sich unmöglich auch nur einen Augenblick lang über die Lage, worin Sie mich jetzt finden, täuschen. Sie wissen recht gut — daß ich ärmer bin als ein Bettler — zahlungsunfähiger als ein Kind — daß ich indessen auch den redlichsten und eifrigsten Willen habe, Alles zu thun, was in meiner Macht steht, — und sollte es auch mit Aufopferung meines halben Lebens geschehen...“
Die plötzliche Metamorphose im Wesen des Jünglings hatte auch eine in dem des Greises hervorgerufen, welche zwar ebenfalls ernst und finster erschien, dabei jedoch einen Strahl von tiefer Ironie nur um so greller durchblicken ließ, je mehr dieser unterdrückt werden sollte...
„Das ist — wie mich dünkt — das alte Lied!“ hatte Lips mit tiefer Stimme gesprochen .... „Dieses alte Lied jedoch behagt mir in diesem Augenblick so wenig, daß ich, sollte ich es noch einmal hören müssen, lieber entschlossen bin, die Zither sowohl wie den Zitherschläger in tausend Stücken zu zertrümmern..... Ist das Deutsch gesprochen...?“
Edmunds Lippe zitterte ohnmächtig und wortlos — sein Athmen, sein Seufzen, wodurch seine Brust bewegt wurde, glich dem Stöhnen eines Kranken... er fühlte sich hinsinken und mußte sein Haupt auf die Lehne des Sopha’s legen — —. Da begann Lips wieder im strengen Tone:
„Sie wissen, wie die Sachen stehen — mein Bester. Ich habe nicht nöthig, sie Ihnen weitläuftig wiederzukäuen. — — Sie sind erstens zwei Wechsel, jeden à 1500 Dukaten mir zu bezahlen schuldig — macht: 3000 netto. — Sodann besitze ich von Ihnen einen dritten Wechsel à 1000 Dukaten — trassirt auf Ihren Herrn Schwager, den hochgebornen und insbesondere hochzuverehrenden Herrn Grafen Alexander von A—x, und angeblich acceptirt von Hochdemselben — — was sich jedoch später als eine Lüge, d. h. eine Namensfälschung — d. h. ein Criminalverbrechen zweiter Klasse erwies, denn nicht der hochgeborne Herr Graf hat seinen Namen geschrieben — sondern Sie machten diesen allerliebsten Streich selber... hehehe!.... — — Maßen ich jedoch in meiner Brust kein Felsenherz — sondern ein so weiches wie Schwanenflaum trage — auf Ehrenwort! — habe ich mich vor einigen Tagen in dieser Angelegenheit mit Ihnen dahin geeinigt, daß Sie mir anstatt der auf dem falschen Wechsel notirten 1000 Dukaten — 2000 ausbezahlen sollten... was ein wahrhaft christlicher Handel ist..... Da haben Sie die ganze Sachlage, da den ganzen Casus, wie wir Philosophen sagen.... Auf Ehrenwort!“
Statt aller Antwort schüttelte der unglückliche junge Mensch wie sinnlos das Haupt — — und schlug sodann ein kurzes heiseres Gelächter auf. —
„Was — Sie lachen noch, mein Bester? — — Mir aber, das versichere ich Ihnen — ist es in diesem Augenblicke gar nicht zum Lachen .... und gleichwohl dürfte dazu an mir die Reihe noch eher sein, als an Ihnen. Dies wollte ich blos so nebenbei bemerkt haben. Und jetzt noch einmal deutsch gesprochen: Ich bitte mir höflichst 6000 Dukaten aus!“
„Ich besitze nicht 6000 Heller —“
„Nun wohl, noch deutscher: Sie haben einen reichen Papa — — Papa wird das Sümmchen bezahlen —“