„Allein — mein theuerster, mein verehrtester, mein süßester Gnädiger — — Sie haben mir ja noch gar nicht gesagt, wie Sie so eigentlich sich fühlen; und doch wissen Sie, welchen namenlos gewaltigen Antheil ich an Dero Wohlbefinden nehme — — Auf Ehrenwort! ich würde lieber mir selbst meine rechte Hand abhauen — — als daß ich Sie nur den allerleisesten Schaden nehmen sähe. Auf Ehrenwort!“
„Ich danke, Herr Lips, ich danke!“ antwortete der Jüngling und setzte sich neben den Alten, welcher auf dem Sopha Platz genommen...: „Ich glaube Ihnen schon gesagt zu haben, daß es mit meiner Gesundheit leidlich steht — bis auf eine kleine Erregung noch von gestern her.....“
„Ei, ei — Sie müssen sich schonen, Gnädigster! Wirklich, das müssen Sie.... So eben bemerke ich, daß Ihr theures Angesicht wirklich Spuren trägt von — von — — nun gleichviel wovon.... Doch, mit einem Worte, Sie müssen sich schonen. O wie schade wäre es um einen so ausgezeichneten Kavalier!“
„Sie sind sehr gütig, mein Herr....“
„Es ist mein heiligster Ernst, auf Ehrenwort! — Allein weshalb nennen Euer Gnaden — mich heute stets „mein Herr“ und „Sie“ und so fort?.... Womit habe ich es verdient, daß das trauliche, das ehrende Du, womit Sie zu anderer Zeit mich anredeten und was meinem treuen Herzen so wohl that — daß es, sage ich, heute plötzlich verschwunden ist?....“
Hierauf erwiderte Edmund nichts. Sein Blick, der starr vor sich hin gerichtet war, verdüsterte sich immer mehr; denn diese sarkastische Freundlichkeit des alten Schurken erschreckte ihn mit Recht im Innersten der Seele...
„Und wozu,“ fuhr dieser fort, — „sind hier die Fenster geöffnet, gnädiger Herr? — Dies kann für eine so zarte und edle Constitution, wie die Ihre, sehr nachtheilig werden. — Und als treuer Freund oder vielmehr Diener halte ich es für meine Pflicht, dieses große Unglück nach Möglichkeit zu verhüten.... weshalb ich mir auch die Freiheit nehme, Ihre Fenster ein wenig zu schließen.... oder aber mich selbst vor sie hinzustellen, um auf solche Weise mit meinem eigenen Leibe Sie zu schützen...... Auf Ehrenwort!“ Wirklich ging er hin und that, wie er sagte; er verschloß die Fenster — und da eines derselben vom Winde in der Nacht zerschlagen worden war, stellte er sich da gleich einer Schildwache auf....
„Allein,“ fuhr er fort und balancirte seine Keule auf dem Nagel des kleinen Fingers — „allein,“ sagte er und jetzt ließ er dieses ungefähr 20 Pfund schwere Instrument wieder herabgleiten und begann dasselbe in einem Kreise herumzuschwingen, gerade so als wäre es eine Reitgerte — —: „ich sehe, daß meine Reden Ihnen Langeweile verursachen — Hochgebietender .... und so will ich Sie denn nicht länger mit ähnlichen belästigen, sondern mich augenblicklich hinwegzaubern — sobald ich nur erst noch zwei unumgänglich nothwendige Wörtchen mit Höchstdenselben gesprochen haben werde. Also: wie steht es mit unserer Angelegenheit, Durchlaucht? Haben Allerhöchstdieselben jene lumpichten 6000 Holländerchen schon in Bereitschaft gelegt?... und wo sind die allerliebsten Dingerchen — damit ich sie berge in meinen väterlichen Schooß?“
Hier nun wieder ging an dem Jünglinge eine Veränderung vor, welche mit der vorigen in Gegenwart Theobalds, und zwar aus derselben Ursache entsprungen, eine große Aehnlichkeit hatte... Edmund erhob sich kalt und ruhig, sein Auge richtete sich fest auf seinen Gegner und sein ganzes Wesen schien plötzlich jener wunderbaren Fassung theilhaftig geworden zu sein, welche uns stets vom Muthe — nicht selten aber auch von der Verzweiflung verliehen wird. „Herr Lips,“ begann Edmund mit Würde: „wozu sollen wir diese Sachen in die Länge oder gar in’s Scherzhafte ziehen. Reden wir ernst und kurz mit einander — denn bei Gott! mir ist es sehr ernst um die ganze Angelegenheit. Sie, vermöge Ihres Scharfblickes und Ihrer Menschenkenntniß (Eigenschaften, die Ihnen selbst Ihr Feind zugestehen muß) —“
Signor Lips verbeugte sich und salutirte mit seiner Keule wie ein Offizier mit seinem Degen —