Sie öffnete ihr Haus jetzt wieder einem Kreise vertrauterer Personen und ließ sich selbst wieder in jener Welt sehen, die früher, als sie noch im Hause der Eltern wohnte, die ihrige gewesen war. —


Fünftes Kapitel.
Die Promenade auf der Bastei.

Die Promenaden auf der Bastei und in der Stadt auf dem Graben und Kohlmarkt waren an der Tagesordnung. Um die Mittagszeit sah man hier die ganze schöne Welt umherstreifen, um ihren beiden höchsten Verrichtungen obzuliegen: — zu sehen und gesehen zu werden und zwar in möglichst ausgedehntem Umfange.

Ha! Welche große, welche magnifique Welt sich da tummelt und bewegt! Die Sache ist wirklich viel weniger komisch, als wofür wir sie anfangs nehmen wollten — denn wir haben es hier nicht nur mit den belachenswerthen Seiten der Gesellschaft, sondern mit ihr ganz zu thun, und dabei gibt es auch noch so manches Stück Ernst. — Wir wollen das vollständige Gemälde zu zeichnen versuchen und dabei keiner Partie vergessen.

Sehen Sie jene stattliche, große Dame dort: eine Junogestalt! und ihr Arm in dem eines kleinen, dünnen, feinen Mannes mit einem noch feineren Lächeln und einem allerfeinsten Augenkneifen. — — Kennen Sie dieses Paar? Es ist eines der bedeutendsten und angesehensten der Residenz. — Sie werden den Namen des kleinen feinen Mannes mit sehr — großen Buchstaben im Staats-Schematismus gedruckt finden. — — Dort weiter vorn drei weibliche Gestalten und zwei Herrn, ein älterer mit grauen und wie’s scheint gepuderten Haaren — auf der andern Seite ein schlanker, blühender, kräftig schöner Jüngling. Er ist der Bruder der zwei jungen Damen, neben welchen er geht und der Sohn jener dritten so wie des alten Herrn mit den weißen Haaren.... O der Letztere ist auch ein sehr großer, großer, vielbedeutender Mann, ein berühmter Mann sogar — und bei dem Allen ein so guter freundlicher, herablassender Mann. —

Hat man einmal bei ihm Etwas zu thun gehabt, wird man nie die edle Güte vergessen, mit der er uns behandelte.

Auch jene zahlreiche und etwas prunkende Gesellschaft weiter hinten führt einen hochklingenden Familiennamen — aber dies ist auch Alles, was man von ihr sagen kann. Es ist immerhin schön, einen edlen Namen zu besitzen — schöner aber ist es, ihn mit neuen Ehren zu umgeben. Die üppige Pracht, welche hier von den Töchtern des Hauses entfaltet wird, will noch nichts sagen gegen jenen feenhaften Glanz, womit sie bei festlichen Anlässen im Salon die Blicke ihrer Gäste blenden. — —

Bemerken Sie die dicke, schwerfällige Frau dort in dem ponceaurothen Sammtpelze.... und die goldene wurstförmige Kette, die, fast eben so dick wie sie selbst, um ihren Hals baumelt? — Das zeigt sich sogleich, wie es ist. Es ist aber ordinär; es ist plebejisch — es ist banquiermäßig. Diese Familie ist reich! Hier haben Sie Alles, was man von ihr sagen kann; und dies ist viel weniger, als was ich Ihnen vorhin berichtet habe.