Ha, wie er mit seinem Geld in der Tasche klappert! Der Herr Bankier hat sogar in seinen Winter-Oberrock Geld gesteckt. Sein Geld ist die unsichtbare Leibgarde, mit der er sich stets umgibt — und ohne welche er sich niemals für sicher hält. —
Dies ist auch eines von den vielen Unglücken des Glückes, d. h. Geldes. —
Und jener hübsche ernste Mann im schwarzen Kleide mit der eleganten, stillen Würde im ganzen Wesen — und mit dem unaussprechlich geistreichen Zug im Angesichte, der an die Züge jenes größten Mannes unserer Zeit und unseres Landes erinnert, dessen Namen ich nicht auszusprechen wage....
Ach, dort erblicken wir ihn!! Schnell — damit uns sein Erscheinen nicht verschwindet, denn nur selten ist uns sein Anblick gegönnt. — O, wie muß das Herz jedes Oesterreichers schlagen, wenn er bedenkt, daß dieser Mann ihm und seinem Volke angehört. Eine Göttergestalt! — Ihr olympischer Blick und Ihr ambrosisches Lächeln hat die Zeit vollständiger bezwungen, als das Schwert jenes großen Eroberers, dessen gewaltigster Feind er war. O Fürst, vergönne dem treuesten Deiner Verehrer — Dir seine Huldigung darzubringen!
Ja, hier hat die Macht des Genies sich manifestirt. Lauter als alle Dichterworte verkündeten es die seinen, daß der Geist der Herrscher der Welt ist — — und Ihr bornirten Priester des Geistes redet noch vom Zwange desselben. Wie kann derjenige die Geister fesseln, der selbst der reinste und größte unter ihnen ist? Freilich, der Geistesunflath ist ihm zuwider — wie für die reinen Cherubim jene sündigen Geister ein Gräuel waren, die von ihnen in den Abgrund gestoßen wurden.
— Immer tauchen neue Gestalten um uns auf. Dies nimmt kein Ende. Stets neue Schönheit und neue Pracht. — Ach, zu dieser Promenade braucht man tausend Augen und ein tausendfältiges Entzücken.
Aber damit wir auch die Aversseite nicht vergessen, wird es nöthig sein, zu ihr sofort überzugehen. Hier begegnen wir sogleich lauter bekannten Gestalten, und da durch dieselben einzeln uns das Ganze skizzirt wird, dessen Theil sie sind — so werden wir bei ihnen auch stehen bleiben und unsere Beobachtungen nicht weiter ausdehnen. — Zuerst erblicken wir unsern guten alten Freund (oder, weil er dies übel nehmen könnte, unsern guten Freund in seinen besten Jahren) — den Herrn von Althing, ersten Verführer der Residenz und Despoten aller Frauenherzen; — da wir bereits seit langer Zeit von ihm getrennt waren, dürfte uns dies Wiedersehen vielleicht nicht unangenehm sein. — O, er ist auch noch immer der Vorige! Keine Linie fehlt an diesem ausdrucksvollen, herrlichen, reizenden, gefährlichen Männerbilde! — da der lächelnde Blick — das feurig strahlende Siegerauge — die hochgeröthete Wange — der stolze Schnurbart — der Hut kühn und ein wenig auf die Seite des kunstreichen Haarbaues gerückt.... Diese so edeln und herkulischen Gliedmaßen, diesmal in einen eleganten und stattlichen Oberrock gehüllt.... ein Kaschmir um den Hals geworfen.... und durch ein Knopfloch blüht eine rothe Blume so täuschend hervor, daß es wie ein Ordensband aussieht.... ferner ein Lorgnon in der Hand (obwohl unser Mann, wie er selbst sagt — wie ein Falke sieht) — — die Sporen, die sind nicht vergessen.... und auch die Reitgerte nicht, daß es aussehen soll, als habe er so eben einen Ritt gemacht... was, seiner Behauptung nach, immer vortheilhaft für einen Mann ist. — Ihn begleitet ein alter Herr, dessen Gesicht mit mehr Recht ewige Jugend verkündete, als das Althings — wiewohl in diesem Augenblick eine sonderbare Melancholie, die im Grunde zu dem Gesichte des Mannes nicht paßte, mit der Fröhlichkeit in seinem Wesen abwechselte. Es ist der Graf von Wollheim, unser biederer Jäger oder eigentlich wackerer Trinker. Er hatte sich, seit sein Schüler, Freund und guter Genius, den er auch sein „Jüngelchen“ nannte, für ihn gewissermaßen auf immer verloren war, an Denjenigen gehängt, der außer ihm der einzige Freund des Entflohenen schien... und welcher, wenn er auch diesen nicht ersetzte, den Nimrod doch an ihn erinnerte.... und so eine Art unvollkommener Illusion für die Wirklichkeit bot.
Lustig war zu gewissen Augenblicken der Anblick dieser Beiden — er bot dann einen Contrast, wie man ihn im Leben nicht besser findet....
„Ist das Wetter heute nicht köstlich, mein lieber Graf und Freund?“ denn Althing, der dies sprach, war aller Menschen, die er kannte, „Freund“. „Ist dieser Decembertag nicht schöner als der beste August, ich meine nämlich, wo die Hitze so groß ist — daß man es auf der Straße nicht aushalten kann — und nichts zu sehen bekommt von der Welt — außer etwa ein miserables Quadrat von einigen Klaftern — durch sein Zimmerfenster...?“