Und während er diesen Unsinn mit einer Mordbrennerstimme schrie — stürzte er mit dem Vorlegelöffel bewaffnet auf diese Frauenzimmer, die ihrerseits ebenfalls ein fürchterliches Geschrei erhoben — und nach Hilfe rufend zur Thür hinausstürzten — über die Treppe hinabliefen, wohin er ihnen, durch den leichtgewonnenen Erfolg übermüthig gemacht, mit rasender Kampfeswuth nachfolgte — jedoch nur einige Stufen — denn dann stolperte er über ein Paar — fiel und rollte gleich einer Walze volle vier Treppen hinab bis zur zweiten Etage — wo er auf dem Flur liegen blieb. Ein schauderhaftes Wehegeschrei entfuhr ihm hier: „Ich bin zerschlagen... ich bin todt... ich bin aufgeplatzt... mit mir ist es aus....“ Sodann verlor er die Besinnung, und was mit ihm weiter geschah, wußte er nicht.

Genug an dem, daß er sich Tags darauf bei vollkommenem Wohlbefinden in den Armen seiner süßen Nina erblickte, welche auch in diesem Augenblick zärtliche Thränen über den Unfall weinte, dem er gestern zur Beute geworden.... Wie zu erwarten stand, war mit der Gefahr auch seine Angst und sein Kleinmuth vorbei... seine Courage wuchs wieder riesengroß — die Flammen seines Herzens loderten bis zum Dache des Hauses hinauf — und begruben ihn und die schöne Nina, daß von den Beiden nichts zu sehen war....

Erst Nachmittag erhob sich der Sieger vom Schlachtfelde. Er ging nach dem andern Zimmer, wo seine Sachen lagen, machte Toilette — und wollte diese damit beendigen, daß er sich mit Uhr, mit Ringen schmückte und nach seiner Brieftasche suchte.... Aber welches Entsetzen! — als er bemerkte, daß nichts von alle dem zu finden war....

„Wo ist meine Uhr hingekommen?“ schrie er... „Wo sind meine Ringe hingekommen? — Es befindet sich unter ihnen ein Solitär von Werth und die Uhr hat 800 Gulden gekostet...! — Und wo, wo ist meine Brieftasche — diese Brieftasche enthielt 1000 Gulden und noch andere Papiere von Werth!“

Auf sein Lärmen trat Nina herein: „Aber was ist Ihnen denn, mein Herr?“ sagte sie, die Hände zusammenschlagend. „Sie geberden sich ja wie toll?“

„Und das soll man nicht sein — wenn man so bestohlen wird.... wie es mir bei Ihnen geschah.“

„Mein Herr — Sie erlauben sich da, einen Schimpf auf mich zu werfen, den ich nicht dulde ... Ich werde sogleich meinen Freund, der zehn Schritte weit von hier auf derselben Etage wohnt, herbeirufen, damit er mich vor der Behandlung schütze, die Sie sich unterstehen, mir widerfahren zu lassen.“ — Jetzt eilte die Holde fort und erschien wirklich gleich darauf mit einem großen schwarzen Kerl, der einen Räuberhauptmann in den Abruzzen hätte vorstellen können.

„Wie — Sie unterstehen sich?“ begann der Kerl und rollte ein Paar Augen, die bei Gott — wie kleine Granaten aussahen. „Sie wagen es, meine Freundin zu beschimpfen... von Diebstahl zu sprechen... von verlornen Uhren — Ringen u. dergl....“ Mit diesen Worten trat er ihm dicht bis vor’s Gesicht hin, so daß der dicke Liebesheld erschrocken sich zurückzog, und mit bleichen Lippen stammelte: „Aber — was wollen Sie — mein Herr — ich habe ja — — das Recht — zu glauben — —“

„Was?“ brüllte der Schwarze: „Sie haben gar kein Recht, Niederträchtigkeiten zu glauben... Entweder haben Sie nicht einmal eine Uhr, einen Ring oder eine Brieftasche besessen — — und das Ganze ist nur eine elende Ausflucht, um der Bezahlung zu entgehen, welche Sie für das gestrige Mahl zu leisten haben... Oder aber, angenommen, daß Sie jene Sachen wirklich bei sich gehabt haben, so müssen Sie dieselben gestern, während Sie mit den Damen Skandal machten — sich umherhetzten und zuletzt wie ein Igel über die Treppe rollten... bei dieser Spazierfahrt müssen Sie Ihre Preciosen verloren haben. — Begreifen Sie mich nun?! — Verstehen Sie — mein Freund, wie? — Oder aber — capiren Sie mich noch immer nicht?!“