Der Herr des Hauses war durch den Vorfall auf’s Tödtlichste verletzt.... er hatte sogleich allen seinen Domestiken den Befehl ertheilt, dem dicken Ueberbringer des überraschenden Festgeschenkes nachzusetzen.... von demselben war indessen keine Spur mehr zu entdecken.
Dieses Intermezzo war kaum zu Ende — — als ein zweites, ein anderes, dem es ebenfalls nicht an Originalität gebrach, begann....
Die nach dem Korridor gehende Thür des Spielzimmers wurde aufgerissen und zwei Menschen stürzten herein, deren Aussehen und Zustand der ganzen Gesellschaft einen Schrei entriß...
Ein älterer, großer, starker Mann, der von allen gebräuchlichen Kleidungsstücken nur die Beinkleider und das Hemde auf dem Leibe hatte — welches letztere jedoch sowohl vorne offen und aufgerissen, wie an dem Arme bis über die Ellbogen hinaufgeschürzt war.... stolperte mit einem rothen, erhitzten Gesichte, in dem die Augen furchtbar rollten, herein — schrie mit einer Stimme, die einem Löwen anzugehören schien und focht dabei mit den Armen in der Luft umher:
„Ha! —“ rief er: „endlich sind wir da! — Endlich haben wir den Platz gefunden! — Endlich können wir uns produziren....“
Bevor wir jedoch weiter gehen, müssen wir erzählen, wie der Zweite aussah.
Dieser war ein ganz junger Mensch — und befand sich in demselben Zustande, wie sein Begleiter. Sein Gesicht war krankhaft, bleich, und selbst der Geist, welcher jetzt im Innern der Brust wirkte, vermochte nicht, ihm eine lebhaftere Röthe zu verleihen; dieses Gesicht nun hatte auf der einen Wange eine große, weit klaffende Wunde, von welcher, wie es schien, erst vor Kurzem, und zwar gewaltsamer Weise, der Verband abgerissen worden war.... auch der rechte Arm war verwundet und es drang selbst durch das Hemd noch Blut heraus. Im Uebrigen erschien der Anzug des Jünglings noch paradiesischer wie jener des Alten.... maßen dieser biedere Jüngling in Socken umher ging und das Beinkleid bis zum Bauch hatte herabfallen lassen. — —
Man wird es vielleicht schon errathen haben: wir sehen Wollheim und Edmund im erleuchtetsten Zustande vor uns....
„Oh!“ brüllte der Nimrod: „das war ein schändlicher Streich, welchen man mir seit so vielen Monaten gespielt hat.... Man hat mir meinen Freund, Schüler, mein Jüngelchen entzogen.... man hat ihn unten in der Nähe des Kellers in einer verschlossenen Stube gefangen gehalten.... Beim St. Hubertus! Das ist ein Verbrechen, welches mindestens der Waldbrennerei gleichkommt und mit dem Spießen sollte bestraft werden.... Da gehe ich armer verlassener Jägersmann, in meiner Trübsal — Stärkung zu suchen in unterirdischen Räumen — über die Treppe hinab. — Ich verfolge meine Fährte in diesem guten Hause hier Schritt für Schritt und gelange richtig.... vor die Kellerthüre. — Aber, Alle Sechzehnender! — — sie ist verschlossen.... da fange ich an zu rütteln — — es geht nicht — — da rufe ich und schreie nach dem Kellermeister.... Jetzt plötzlich geht eine andere Thür neben mir auf.... und wer stürzt mir um den Hals?.... Der Kellermeister aller Kellermeister! — Mein Freund, mein Schüler, mein Jüngelchen, mein Stolz, mein Königshirsch.... kurz Edmund!“
Bei diesen Worten stürzte nun auch er ihm um den Hals und diese beiden trefflichen Schützen begannen laut heulend zu weinen. —