„Ich wollte blos,“ sagte der Graf: „der Welt und seinen betrübten Eltern ihn zeigen, ihnen verkünden, daß er lebt — lebt — in ihrer Nähe ist — und weder bei einem Duell bei Prag fiel, noch sonst wohin an’s Ende der Welt reis’te.... wie so oft von schändlichen Lügenmäulern vorgegeben wurde.... Aber,“ schrie der Jäger wild auf wie im Walde: „das muß untersucht werden! Alle Kreuz- und Quer-Fährten, das muß untersucht werden! Weßhalb hat man diesen jungen hoffnungsvollen Ritter und Waidmann in Gefangenschaft gehalten?.... weßhalb hat man diese Blume der Jünglinge hinter Riegel und Schloß gesteckt?.... denn er schmachtete da unten in dem dumpfen Loche, wie er sagte, seit mehrern Monaten. — Weßhalb also, frag’ ich noch einmal?...“ Hier wurde der Redner jedoch so schwach, daß er sein Gleichgewicht verlor und auf die Stiftsdame fiel....

Marsan hatte der Scene mit wüthenden Blicken zugesehen und eben sich beeilt, mit Hilfe zweier Herrn sich der Trunkenen zu bemeistern, als, an diesem, an Ereignissen unerschöpflichen, Tage — ein neues hereinbrach.

In dem Augenblick, wo Marsan auf Edmund zuschritt, trat eine Person — von Außen herein und stellte sich rasch zwischen Beide.

Es war der Graf Alexander von A—x.

Er sah bleich wie der Tod aus und stützte sich auf einen Stock.

Mit der Hast des Blitzes — warf er seinen Blick auf den Chevalier und sodann auf Edmund ... da trug sich ein physiologisches Phänomen zu, welches unerhört sein mochte. Die bleiche Krankenmiene Alexanders — strahlte im Nu von Leben, Kraft und Entzücken.... und seine früher convulsivisch zuckenden Lippen stießen einen mächtigen Freudenruf aus:

„Großer Gott — was seh ich! Ist es möglich! — Nicht Sie, mein Herr,“ wandte er sich zum Chevalier „sind in jener Nacht von einem Degen getroffen worden — sondern Edmund der Bruder meiner Frau...?.... So hat also er Cölestinen begleitet und nicht Sie....“

Da faltete sich wieder die Stirne Alexanders plötzlich und er sprach dumpf: „Aber wie dies Alles zusammenhängt, will mir nicht klar werden... O vielleicht ist das Schreckliche dennoch geschehen.....“

Marsan besann sich einen Augenblick; sodann ergriff er rasch den Grafen bei der Hand und zog ihn mit sich fort in ein Kabinet. — —