„Muß! Muß! — Du mußt in vier Stunden 8000 Dukaten zahlen, sagst Du?... Ich aber sage: ein Mann kennt das Wort „Muß“ gar nicht...“
„Ja — Du hast leicht reden!... Wäre ich in Deinen Verhältnissen! — Erstens — reich wie ein Nabob und dazu Herr seines Vermögens; sodann überhaupt nicht an Familienrücksichten gebunden — — drittens, was die Hauptsache ist, ein Kerl, der die Kaltblütigkeit eines Krokodils besitzt, wenn es sich um Dinge handelt, die Einem an den Hals gehen... endlich viertens, und dies ist die hauptsächlichste Hauptsache: Du Beneidenswerther besitzest noch Deine Seele! Hast sie dem Beelzebub noch nicht verkauft... dem Beelzebub, welcher unter uns einherschreitet in der Gestalt des Meisters Lips.... Oh, Oh! meine Zunge brennt schon, wenn ich diesen Namen nur nenne.“
„Nun — gut; aber was ist mit diesem Lips weiter? — Mache Dich von dem Spitzbuben los!....“
„— Mensch! Mensch! — dies ist leichter gesagt, als gethan. „Mache Dich los!“ wie schnell ist das ausgesprochen! — Aber ich sage Dir: eher macht man sich aus den lieblichen Umarmungen der Menschenfresser los, wie von Meister Lips — besonders wenn man sich mit ihm bereits so weit eingelassen, wie — leider Unsereins.“
Leuben neigte sich ein wenig zur Erde, um die Freude, von der sein Gesicht strahlte, zu verbergen; darauf fragte er in neugierigem Tone: — — „Also ihm hast Du die 8000 Ducaten zu bezahlen....?“
„Freilich — freilich, Du Narr, Du! — Ihm, dem Meister Lips — und dann noch jenem verfl— Coujon, den Du seit vier oder fünf Tagen zu den Orgien mitbringst, die wir bei jener saubern Frau Wratschifratschi — oder wie sie sonst heißt.... kurz bei jener tugendhaften Dame mit ihrem halben Dutzend tugendhafter Freundinnen feiern; — — diesen zwei Menschen bin ich 8000 Dukaten schuldig; dem Ersteren zwei — dem Andern sechs Tausend....“
„Du nanntest meinen Freund einen Coujon, obwohl er ein Ehrenmann ist, wie Du oder ein Anderer; doch das mag Dir um unseres beiderseitigen Zustandes willen hingehn. — —“
„Was — Zustandes! Ich wiederhole nochmals: ein Coujon, ein Spitzbube ist der Kerl ... ein falscher Spieler, woran nicht zu zweifeln; denn seit vier oder fünf Tagen hat er mir mit einer Regelmäßigkeit, die mathematisch genau ist, ungefähr 10,000 Dukaten abgenommen... und ich, ich Thor, ich spielte mit ihm noch immerfort .... spielte, als mein Geld verloren war, auf Ehrenwort.... und.... beraubte meine..... doch genug!“
Edmund schwieg plötzlich. Ein besseres Gefühl schien über ihn gekommen zu sein, welches die nichtswürdigen Gesinnungen, die seine Brust jetzt beherrschten, auf einen Augenblick überwand.... er ging wieder zu seinem Bette zurück — legte sich darauf und barg sein Gesicht in die Kissen....
Der Andere aber schickte ihm einen Blick nach, der von der Natur des Basilisken geborgt zu sein schien — nickte mit dem Kopfe und rieb sich die Hände; sodann streckte er sich der Länge nach und mit großer Behaglichkeit ebenfalls auf sein Sopha hin — und begann wieder...: „Und diese beiden Gläubiger, sagst Du, holen in vier Stunden ihre 8000 Dukaten? — Aber woher dies Zusammentreffen? — Es wirft auf meinen Freund ein ungünstigeres Licht, als mir lieb ist....“