„Hol’ ihn der Henker, Deinen Freund, sammt allen Lichtern, die jemals auf eine solche Schandgestalt wie die seine gefallen sind! — — Aber eben dies Zusammentreffen, wie zufällig dasselbe auch sein mag, gleicht einem geheimen Fingerzeig Gottes, der so viel sagen will, als: diese zwei Schufte gehören neben einander.... Wenigstens, was mich betrifft, ich dachte gestern, als ich diesem saubern Freunde Deines Herzens sagte, er möge heute 11 Uhr Vormittags sein Geld bei mir in Empfang nehmen — damals dachte ich nicht daran, daß zur selben Zeit auch Meister Lips hier erscheinen werde, wiewohl ich es längst wußte..... und jenes Spiel einige Minuten früher blos in der einzigen Hoffnung eingegangen war, das Geld, welches ich für Lips heute brauchte, dabei zu gewinnen —“

„Mit diesen Worten, mein Bester, vernichtest Du ja selbst den Verdacht, welchen Du vorhin auf meinen Freund Theobald Wurmholzer so ungerechter Weise geworfen.... Hast Du ihn für keinen ehrlichen Mann gehalten, so hättest Du mit ihm nicht spielen sollen.... allein eben weil Du mit ihm spieltest, gabst Du ihm so zu sagen selbst das Zeugniß, daß er einer sei.“

„Schon gut, schon gut!“ versetzte Edmund, und fing wieder an, sich umherzudrehen — — „Deine Argumentation scheint sehr richtig.... allein der verd— Katzenjammer kommt schon wieder.... Uh! Puh!“

„Der moralische — oder der physische? —“

„Beide, beide! — Weh mir!“

Mittlerweile war es hell geworden, der Tag guckte zu den Fenstern herein, was ihm sehr bequem wurde, denn diese waren noch offen, wie zur Nachtzeit. Indessen fing das Schneegestöber, welches draußen herrschte, an, seine Wirkung bis mitten ins Gemach zu verbreiten — weshalb Leuben aufstand, um Fenster und Thür zu schließen; und als er zufälligerweise die letztern heftig zuschlug, schrie Edmund erschreckt auf: „Ach! wer kommt da! Sollten es bereits die zwei Schurken sein....?“

„Welche — Schurken?“

„Lips — und jener ehrliche Wurmholzer. —“ Erst jetzt erhob er sein edles Haupt: „Ach!“ sagte er nach der Thür sehend — mit erleichtertem Herzen: „sie sind es nicht. — Freilich aber,“ begann er nach einer Pause: „werden sie nicht lange ausbleiben. Die eilfte Stunde wird herankommen, ehe man sich’s versieht. — Heute galoppirt die Zeit, wie ein arabischer Renner.... Kannst Du mir vielleicht sagen, was jetzt die Uhr ist?“

„Ich vergaß meine Uhr zu Hause... Indeß kannst Du ja nach einer von den Deinigen sehen.“

„Nach einer von den meinigen?!“ wiederholte der wackere Sprosse des Randow’schen Hauses mit kläglicher Stimme. „Wo sind die — meinigen! — Der Teufel hat sie bereits alle geholt....“