»Also handelt Ihr neues Werk von der Lebensstärke bei Mensch und Tier, offenbar wie sich diese in Krankheitsfällen, Hungersnot und in Gefahren bekundet. Wohlan, was halten Sie von jemand, dem von Freunden, Traumbildern und allerlei Zeichen sein nahes Ende verkündet worden ist?«
»Lassen Sie mich mit solchen Narrenspossen!« rief der Gelehrte entrüstet. »Hirnverbranntes Zeug! Altweibergefasel!«
»Vielleicht doch nicht!« sagte Karl feierlich, und es klang fast wie ein Wunsch. Gebrochen und gefaßt zugleich sagte er sich: Umso besser! Mag denn alles zum Teufel fahren!
Auf jener kurzen Fahrt nach Berck besann er sich erst, daß er jede Stunde seines Lebens bemitleidenswert gewesen. Gleich einer fürchterlichen Anklage rief er im Geiste den Seinen zu: Ich liebe euch nicht! Er verdammte den Freund, weil er sich keine ungebührliche Behandlung hatte gefallen lassen, machte es den Frauen zum Vorwurf, aus ihm keinen Mustermenschen gemacht zu haben, und verzweifelte bei dem Gedanken, daß ihm das wunderthätige Feuerbad einer großen Liebe versagt geblieben war. Dazu seine Aussichtslosigkeit nach jeder Richtung! Am liebsten hätte er sich aus dem Waggon gestürzt, um Tod und Leben los zu werden.
III.
Das Meer ergoß sich in den Himmel. Himmel und Meer waren eins, und das Fischerboot am Horizont bewegte selig seine Schwingen, als wäre es im Himmel drin.
»Sie sind nicht intelligent,« sagte Andrée zu Karl, der vor ihr im Sande lag.
»Weil Sie Gott nicht fassen. Sie haben ja keinen Gott.«
»Wie kann ein junger, unerfahrener Mensch einen Gott haben?« meinte er. Vorläufig glaubte er nur an Engel. Den schönsten hatte er vor sich. Ihr dunkles Auge verführte, ihr frischer Mund plauderte unschuldig, und ihre feine Nase schien zu sagen: Gieb acht, denn ich bin klug! Er war berauscht, ganz Bewunderung und Mitleid.