»Freilich!« gab er zu.
Freilich gehört es nicht zu den Annehmlichkeiten des Lebens, beim Jahresabschluß eine Ziffer zu sehen, daß es einem schwindelte, aber nicht bei den Einnahmen, nein, bei den Ausgaben. Einnahmen! Das existierte überhaupt nicht. Ein Gut ist keine Melkkuh, sondern ein Säugling, der trinken will aus tausend Brüsten. Freilich gehört es nicht zu den Annehmlichkeiten des Lebens, mit offenem Säckel dazustehen. Das Stockgeschäft konnte nicht alles bestreiten. Es versagte einfach: Bis hieher und nicht weiter! Aber das Gut wollte leben. Ein kostspieliges Vergnügen das, ein Gut zu besitzen. »Gott, wie hab' ich das verdient?« seufzte er und konnte vor Sorgen nicht mehr schlafen, vor blutigen Sorgen! Der vielfachste Familienvater hatte es besser. Woher nur das viele Geld nehmen? Alles eins, wenn er es nur auftrieb, galt es auch, es aus der Erde zu kratzen. Na, ich leg' mein Geld gut an, dachte er, so gut, daß ich es nimmer angreifen kann.
Freilich hatte er die Butter umsonst. Umsonst? Du lieber Gott! »Was kostet Sie die Butter?« fragte er seine Kunden. »Neunzig Kreuzer das Pfund«, hieß es. Weiß Gott, dachte er, mich kostet es die Tausende und die Tausende!
Sein Gut war eben ein Land, wo Milch und Honig nur in geringer Quantität floß. Eine Kuh gäbe täglich nur vier Liter Milch, berichtete ihm erst neulich der Verwalter. Verdammtes Vieh! Es wurde gewartet wie eine Prinzessin und gab doch nicht mehr wie vier Liter pro Tag!
Ach ja, die Berichte! Schöne Neuigkeiten das! Der Ochsenstall müsse vergrößert werden, hieß es z. B., der Jäger habe gekündigt und sich bei den Leuten beklagt, zu wenig zu essen zu bekommen, die Dachrinne sei beschädigt, und Schnapsl hingeworden am Gift, das man den Füchsen gestreut – sein Schnapsl!
Und da staunten noch die Leute und fragten: »Was treiben Sie? Sie werden ja ganz grau?«
Sogar Hypothek hatte er aufnehmen müssen, sein Gut verpfänden!
Doch die Ernte sollte alles wieder einbringen.
Ei jawohl!
Tags vorher – die Lerche badete zum letztenmal in der goldigen Kornflut – zogen Wolken heran, ein ganzes Regiment. Auf dunklen Rossen kamen sie durch die Luft geflogen. Sie umschlangen sich mit rabenschwarzen Armen, und nun begann das Bombardement. Der Gutsherr zitterte, doch nicht für sein Leben. Das war ihm früher erlaubt gewesen. »Mein Haus!« jammerte er, »meine Ställe, meine Bäume!« Wie hätte er sie mit dem Leibe schützen mögen! Die Blitze zuckten wie tanzende Feuerstrahlen – welch herrliches Schauspiel! Doch hatte er andere Sorgen: Wenn es einschlüge! Es donnerte und dröhnte, als bräche der Himmel in Scherben. Krach! es hatte eingeschlagen! Großer Gott! Nun prasselte es hernieder, ein Wasserfall aus Himmelshöhe, der fürchterlichste Niagara. Hätte er doch einen Schirm halten können über Wald und Feld! Allmächtiger Gott! Er schmeichelte Gott, kam ihm grob, als ein kalter Kugelregen herabrieselte, das schwere Geschütz. Barmherziger Gott, und die Felder! Und der Assekuranztermin, der neulich abgelaufen und noch nicht erneuert worden war! Es war um wahnsinnig zu werden! Aber da lachte der Himmel, als sei nur alles Spaß gewesen. Dem Gutsherrn war nicht zum Lachen. Rasend vor Angst stürzte er hinaus: