Was hieß lustig sein? Wenn man sich die Köpfe einschlug. Die Fäuste begannen ihr Werk, die Messer wurden gezückt. Wie das anheimelte! Nur scheinbar trennte man die Kampfhähne. »Loslassen! loslassen!« was so viel hieß, als: Nur zu! faßt euch! Bravo! Zumal als man Blut rinnen sah – wie die Alten die Hälse reckten – o Jugenderinnerung! – wie die Jugend gierige Mienen machte und etwas wie von einem großen Moment verspürte, ja, wie selbst die so arg Zugerichteten Stolz empfanden, die Helden des Tages! Allerseits Freude und Zufriedenheit, als man plötzlich des Gutsherrn gewahr wurde. Man schämte, ärgerte sich – was wollte der Störenfried? Konnte man sich nicht einmal friedlich unterhalten? »Hier ist kein Platz für Herrenleute!« riefen die Frechsten, und Muck machte, daß er fortkam.
So hab' ich mich denn unmöglich gemacht bei allen Menschenklassen? dachte er bitter. Soll ich unter Schweine gehen? ...
Auf dem Stoppelfeld grasten sie, und wie man plötzlich ein Kunstwerk entdeckt, daran man stets achtlos vorbeigegangen, sah er sie und sah, wie die alten Schweine etwas Tyrannisches an sich hatten, aber wie den Jungen die Unschuld aus den Äuglein blickte, gleich Idealisten, die im Sumpfe waten, weil dem Reinen alles rein ist. So sahen also die Schweine aus? Wie eine Wurst mit Augen und Ohren, mit Schnauze und Schweif. Das Tier in seiner einfachsten Form. Ein zweijähriges Kind konnte sie zeichnen. Und diese blasse Farblosigkeit, die roten Äuglein! Die reinen Albinos. Wie sie nur grunzten! Was giebts? Was beliebt? dachte Muck, aber die Chinesen würde ich ja auch nicht verstehen, sind die Chinesen trotzdem nicht Menschen? und blieb bei den Schweinen.
Er kam sich so verlassen vor! Sein Herz war voll tausend Ängsten. Wehmütig dachte er an die schöne Zeit, da er noch kein Gut besessen ...
Herbstzeitlosen bedeckten das Feld mit stillen, lauen Farben. Ein kühler Hauch entstieg der Erde. Er schlürfte ihn ein mit tierischer Gier, mit der Gier von Menschen, die den Kalk von den Mauern kratzen, weil ihr Körper weiß: das brauche ich! Wollüstig wühlte er im Erdreich, daß die schwarze, feuchte Erde sich ihm in die Poren drang, als wollte der Staub zum Fleische werden. Doch der Wurm, der über seine Hand kroch, nahm schnell Reißaus wie aus Ekel vor allem Lebendigen. Wer sich in Erde einhüllen dürfte! dachte Muck. Doch dazu wirds auch noch kommen. Schade, daß ich dann tot sein muß! Ihn erfaßte Müdigkeit und Sehnsucht, und eine Stimme tönte aus der Tiefe – was war dagegen Nixengesang? –: Komm in meinen Schoß, armer Mann, bist du nicht mein Kind?
Kopfüber hätte er sich ins Grab stürzen mögen, aber da kam ein Platzregen herniedergeprasselt. Heute war ja Kirchtag, da mußte er dabei sein. Das brachte Muck auf andere Gedanken: Mein neuer Hut! Und die Schweine! Schöne Geschichte das!
Mit seinem Stock trieb er sie heim. Die alten Schweine brummten in würdigem Baß:
| »Würd' ich das geahnet haben, |
| Mantel hätt' ich umgenommen.« |
Und die Jungen grunzten fein und hell:
| »Auch ich! auch ich! auch ich!« |