Aus war's mit der Lustbarkeit. Die Tanzenden stoben auseinander. Man rannte in den Regen hinaus. Die Buben mit Freudengejohle, die ausgezogenen Stiefel schwenkend, die Weiber mit über den Kopf geschlagenen Röcken. Sie lachten, kreischten und liefen, was sie laufen konnten. Der Regen war ihnen in die Beine gefahren, alles wollte naß werden. Als man heimkam, hatte es richtig aufgehört.
Doch wurde es Abend, und die Natur lag noch in Thränen aufgelöst. Muck aber wollte sich die Kleider am Leibe trocknen. In der Küche ging alles aus und ein. Dort setzte er sich hinter den Herd. Man brauchte nicht erst zu sterben, um ein warmes Plätzchen zu haben. So gemütlich war's in dieser Allerweltsküche, dem Bereich der Verwalterin. Das Feuer prasselte, Kaninchen huschten über die Fliesen, es duftete nach frischem Holz und Rauch, das Hühnervolk verlief sich her, und die Kinder machten Spektakel. Doch währte die Freude nicht lang. »Fort mit euch!« schrie die Verwalterin. Vorbei war's mit dem Sonntag, vorbei auch mit der Vornehmheit, sie war wie eine Wetterhexe. »Hinaus!« und jagte die ganze Gesellschaft auseinander. Die Hühner flogen auf, die Kinder weinten, und sie schrie: »Still, still, der Herr ist da!« Umsonst versuchte dieser, der Scene ein Ende zu machen: »Aber Frau Stephani« – Sie that sich noch etwas zu gute drauf, als wäre es eine Huldigung für ihn. Nun, er bedankte sich. Das Trommelfell sprang ihm schier entzwei vor all dem Gekreische, Geweine und Gekrächze – es war ein Hochgenuß!
Im Hof kommandierte der Verwalter und schrie mit den Leuten herum. Er nannte die Kuhmagd »Kuh«, den Ochsenknecht »Ochs« und nicht etwa aus Verwechslung. Dachte sich auch Muck im Stillen: Ich jage dich ja doch zum Teufel, er imponierte ihm. Wer so anschaffen könnte! dachte er. Es war eine Freude, ihm zuzuhören, wie er z. B. dem Jäger Ordre gab: »Sepp! Anstalten treffen für die Pirsch!« Daß der Wald mir gehört und nicht dir, was weiter? dachte Muck, ich hab' die Sorgen, du das Vergnügen.
Ja, er hatte einen großen Herrn in seinem Dienst, und das war das Malheur. Zwar ihm gegenüber war er der Respekt selber, wahrscheinlich um ihm weiß zu machen: Wenn ich auch befehle, drum bleibst du doch der Herr!
So kam er wieder mit der Frage, ob für das Gesinde ein Ochs geschlagen werden sollte.
»Schon wieder ein Ochs?« platzte Muck heraus. »Alles in euren Magen?« und vor lauter Ärger ging er hungrig zu Bett.
Sie schlachten mein Vieh und stellen mein Wild! dachte er voll Empörung. Ihm war, als sollte er den Ochsen von Knecht aus dem Ochsenstall, die Kuh von Magd aus dem Kuhstall, den Hund von Verwalter vom Hofe jagen, um sein eigener Knecht, sein eigener Herr zu sein.
»Heda, Stephani!« Er wollte nicht nur Gutsherr heißen, sondern auch den Gutsherrn spielen. War denn das eine gar so große Kunst?
»Sie, Stephani!« befahl er und zitterte nur so vor Anstrengung, »diesmal geh' ich mit auf die Pirsch!«
Es wurde ihm sauer, um 3 Uhr früh aufzustehen, aber er wollte auch einmal ein Vergnügen haben. In gelber Dämmerung lag das Thal. Die Pirschgesellschaft begann schon den Aufstieg zu nehmen, als Sepp plötzlich ausrief: »O Salami! Der Herr hat sein G'wirr vergessen!«