Richtig, die Stiefel! sie mußten vor der Thüre stehen. Doch statt der Stiefel stand Klein vor der Thür mit einer grünkarrierten Reisedecke und drängte zum Aufbruch.

»Wo sind schnell ein paar andere Stiefel?« rief Adler. »Sie müssen ja ein zweites Paar haben!«

»Aber ich hab' kein zweites Paar!« rief Laurent froh und ohne zu übertreiben. Was thun? Flugs holte Adler ein paar funkelnagelneue Lackschuhe aus dem Schrank. Laurent weinte vor Wut. Seine reizenden Soiréeschuhe, die ein Heidengeld kosteten und ihn so furchtbar drückten! Es half nichts, sie zogen sie ihm an und schleppten ihn die Treppe hinunter. Unten stand der Wagen und vor ihrer Loge die Concierge in unbeschreiblichem Morgenkleid, ein Bild des Ingrimms.

»Madame,« hauchte Laurent. »Sagen Sie Herrn Ponthier –«

»Nichts da! Sie telegraphieren ihm aus Erquelin!« rief Adler, hob ihn in den Wagen und hielt ihn auf der ganzen Fahrt nach dem Nordbahnhof am Rockschoß, damit er nicht Reißaus nähme. Laurent, der bemerkte, kein Flanellleibchen anzuhaben, ballte die Fäuste. Ein letztesmal fragte er, der Mensch hofft ja im Tode noch:

»Haben Sie auch wirklich Geld?«

»Und ob!« jauchzte Adler, als hätte ihm der Irkutsker alles Gold Sibiriens geliehen.

Vor dem Bahnhof standen schon Federscher, Zedekoff und Goltschmann mit roten Nasen, sie mit Rufen und Gesten zur Eile antreibend.

»Schnell! schnell! Erstes Läuten!«

Adler rannte an den Schalter, die Billette zu lösen, kam aber ohne dieselben zurück, wankend, schreckensbleich.