»Das Geld – reicht – nicht,« stammelte er. Zugleich erscholl die Glocke – zweites Läuten!
Laurent und Zedekoff mußten in der Zugluft stehen, während die vier Familienrat hielten. Wer hätte sie für Gegner und Zeugen gehalten? Sie schienen ganz brüderliche Sorge für einander. Doch unwillkürlich veränderte sich ihre Miene, als sie an jene herantraten, um ihnen für ihre Freundlichkeit zu danken. Sie wollten mit je einem Zeugen vorlieb nehmen. Damit sprengten sie an den Schalter und mit emporgehaltenen Billetten zur Perronthür hinaus, Adler voran, Klein mit seiner grünkarrierten Reisedecke als Hinterster. Soeben ertönte das dritte Läuten. Laurent sah sie abdampfen. –
Tags darauf kam Adler zu ihm gerannt, um ihm brühheiß zu erzählen, wie sie einen Tag und eine Nacht im Eisenbahnwagen gerüttelt worden, wie sie unter dem Gejohle der Bauern, die ihnen mit Heugabeln gefolgt waren, unter kniehohen Schnee nach dem Kampfplatz waten mußten, und wie die Schüsse glücklich fehlgegangen, und die Gegner einander versöhnt in die Arme gesunken waren, halbtot vor Hunger und Strapazen. Er lachte, war wieder der Alte – ein neues Leben konnte beginnen.
Der erste Hirsch.
Lieber Rudolf! Gratuliere zum Avancement! Also hat die Vermehrung der Armee die Sache doch beschleunigt? Freut mich herzlich! Wir wollen eins drauf trinken. Drum schau, daß du herkommst und deinen Urlaub diesmal im Oktober nimmst. Aussichten auf das Geröhr sehr günstig. Garantiere, dich zum Schuß zu bringen. Sollst auch endlich erfahren, was Waidmannsfreuden sind. Opfere also Gasbeleuchtung, Tanzmusik und schöne Weiber und komm zu mir in die Berge!
Mit treuem Gruß
Dein Bruder.«
Die Antwort war eine Zusage gewesen. Soeben brauste der Zug, mit dem R. eintreffen sollte, auf der kleinen Bahnstation heran. »Da bin ich!« rief es, und ein etwas hagerer Oberlieutenant mit tadellosem Schnurrbart und eleganter Taille stürzte aus dem Coupé in die Arme des älteren Bruders.