Christiane schrieb an Käthe Arndt und fragte, ob sie nicht Lust hätte, zu ihr zu kommen. Es sei Platz an der Reutterschule.

Der Arzt hatte Christiane verraten, daß der Professor nicht mehr in sein Amt zurückkehren würde.

Warum denke ich an die Arndt? fragte sich Christiane.

Brauche ich jemand von – früher?

Langsam stiegen die alten Zeiten vor ihr auf, in denen sie doch Kameradinnen um sich gehabt hatte.

Jetzt – – wie das von allen Seiten an sie stieß. Viel Feind, viel Ehr – ja, ja! Viel Widerstand, viel Sieg! – – Aber es zehrte an den Nerven.

Der Vorgang mit dem Professor war in der ganzen Stadt aufgebauscht und verzerrt worden. Einer hatte immer mehr gewußt als der andere, sogar die jungen Mädchen, die den Vorgang überhaupt nicht recht begriffen hatten, zischelten. Für alle Unbeteiligten stand es fest, daß der alte Herr nur infolge irgend einer aufregenden Auseinandersetzung mit Christiane krank geworden war. Sogar die Frau und die Töchter waren zu ihr gekommen und hatten erkunden wollen, was eigentlich vorgefallen sei.

Christiane hatte dem Patronat berichtet und auch mit dem Präsidenten gesprochen, sie mußten ihr natürlich glauben, aber ein Rest blieb doch – wie war das mit dem alten, verdienten Herrn nur so schnell gekommen! Nun waren ihre Pläne erst recht hintenan gestellt.

Unter den Mitarbeitern war eine gewisse Scheu entstanden. So gut es ging, wichen sie Christiane aus. Nur die Jong, Doktor Korn und der junge Zeichenlehrer nicht, und allenfalls die Friedlein, die ganz andere Gedanken hatte.

Ja, was kümmerte sich Christiane um dergleichen? War das nicht die Kleinstadt, die schon abfärbte?