Sie sprachen über Handarbeiten, danach über Kleider, jede schilderte die Art und Weise ihrer Schneiderin.

Mai starrte mit melancholischen Blicken gradeaus: nun mußte sie sich doch zum Winter das gelbe Kleid machen lassen, das ihr gar nicht stand. Den Stoff hatte sie von einer Tante bekommen. Sie hatte gedacht, als Braut – ach, wo waren die Träume wieder hin!

Fräulein Mehlmann kam heran und trug Gläschen auf Gläschen. Feierlich stellte sie sie vor eine jede hin, und jede guckte darauf. Sie wußten, was nun kam: die Likörchen. Plötzlich stutzte das Fräulein und zählte verdutzt, guckte in ihren Schrank und zählte von neuem – ja, die Gläser reichten nicht!

»Ich hole Ihnen gleich welche,« rief Frau Dorreyter, »aber ich habe nur Weingläser.«

»O, Weingläser,« entsetzten sich die Damen lachend.

»Meine Likörchen sind nicht gefährlich,« beteuerte Fräulein Mehlmann eifrig, »aber wir können ja auch Eierbecher nehmen –« Sie griff in den Schrank.

Die Seifert machte eine kritische Miene – nein, Frau Dorreyter sprang schon nach den Wirtschaftsräumen.

Jetzt kam sie und zählte mit den Augen: hatte sie sich noch vergriffen? Nein, es reichte.

Es waren gewöhnliche, schlecht geschliffene Gläser aus dem Warenhause, nur ein einziges war dabei, das war anders. Es stammte noch aus dem knappen Brautschatz der Freiin von Rhane.

Die merkte es gar nicht. Ahnungslos stellte sie es hin. Es kam grade zu der kleinen Wehrendorf.