Frau Friedlein mußte auf dem Sofa Platz nehmen. Neben ihr saß Fräulein Seifert, ein Platz war noch frei, denn die Oberlehrerin hatte der kleinen Meckebier Stunde zu geben und kam erst später. Frau Dorreyter hatte sich mit einem Ecksitz begnügt, sie mußte auch oft hin und her laufen, denn das kleine Dienstmädchen war so stutzig. Trotzdem fühlte sie sich sehr behaglich und sah mit Blicken voll Genugtuung auf ihre Damen. Der Kater wußte schon Bescheid, er bettelte bald bei der, bald bei jener und bekam überall etwas.

Die Jong hatte Mais Miene erkannt. An der Weinbeertorte vorbei flüsterte sie ihr zu: »Und stürzt der Himmel ein, kommt doch eine Lerche davon!« was die schöne Mai zu einem Dankesblick veranlaßte, obwohl sie das Zitat im Augenblick nicht unterzubringen wußte, so poetisch sie sonst war.

Die kleine Wehrendorf saß still dabei.

Es war ein schweres Leben für sie. Wenn nur der Husten besser und das erste Jahr vorbei wäre. Dann – dann – wieder kam Ada der ungeheure Traum von der eigenen Stube.

Wie sollte die aussehen? Ein weiches Liegesofa, ein Arbeitstisch, ein paar Stühle, ein Schrank und ein richtiges Bett. Ihrer Eltern Sachen waren damals alle verkauft worden.

Sie schrak zusammen – ach, nun hatte sie übersehen, daß Fräulein Seifert die Sahne gereicht haben wollte. Nie fand sie im Verkehr das Richtige. Das war, weil sie schon so weit ab vom Leben gewesen war, wochenlang hatte sie einer an der Hand gehabt – sie wußte über die Höflichkeit bei Kaffeekränzchen nur noch geringen Bescheid.

Die Damen aßen und tranken, immer wieder wurde eingeschenkt, immer wieder herumgereicht, der Sahnenberg senkte sich, die Kuchenteller leerten sich, die Torte wurde ganz schmal – es schmeckte allen sehr gut.

Nun waren sie satt.

Die Mehlmann fragte noch ein-, zweimal herum. Sie hielt Fräulein Seifert die Tortenplatte noch einmal hin – die dankte. Sie bot sie Frau Friedlein an – die dankte auch. Sie fragte noch einmal vorsichtshalber ringsum – alle dankten.

Da räumte sie mit Hausfrauenzärtlichkeit ab. Sie sperrte ihren Schrank auf – man sah noch allerhand gute Sachen darinnen stehen – und packte alles sorgfältig hinein – für Fräulein Haberkorn wurde etwas besonders aufgehoben. Sie schloß wieder zu, nahm den Tischbesen und die kleine Schaufel und kehrte Krümelchen um Krümelchen vom Tisch. Jetzt sah man die Decke – ein schönes Muster – und darüber gelegt den feinen Läufer – die Damen besahen ihn sich genau. Die Seifert fragte, wo man die Vorlage bekommen könnte, aus Markburg sei die doch nicht.