»Du warst allerdings sehr unvorsichtig,« sagte Frau Friedlein vorwurfsvoll, »wenn dich jemand mit ihm am Teich gesehen hat, ist die Sache sehr schlimm –«
»Aber was sollte ich anders tun,« rief Mai, »an welche Weise kann ich sonst einen Mann kennen lernen. Ach, und an dem Teich war es so wunder – wunderschön. Das blaue Wasser und der blaue Himmel und das rote Laub. Und selbst die zerplatzten Kastanien hat er schön gefunden. Ach,« sie weinte plötzlich auf, »wir haben uns doch so gut verstanden –!«
Die Mutter nahm sie in den Arm an ihre volle Brust und tröstete sie.
»Mein armes Kind, ja, ich glaub's, es ist schwer für dich. Für deine Schwestern auch. Für uns alle. Eva hat ihre Stelle in Stettin doch auch verloren, der Amtsrichter hat sich wieder verheiratet, und sie glaubte doch – Wie oft kommt das vor. Und Paula hat jetzt eine Frau bis zu Tode gepflegt. Nachher ließ sie sich überreden, bei dem Kind zu bleiben. Es war so verlassen. Sie hatte es gern. Es war ein so hübsches Kind, nicht wahr, Paula? Und um des Kindes willen hätte sie auch den Vater in Kauf genommen. Aber da ist er vorgestern über alle Berge. Über alle Berge, sage ich. Mit der ganzen Kasse des Chefs. Nur das Kind hat er zurückgelassen. Das hat Paula nun in Gemeindepflege geben müssen. Sie hat sehr geweint.«
Mai sah die Schwester an, und die nickte ihr zu. Auch Eva nickte. Ja, sie wußten Bescheid.
Draußen klirrte es. Was war denn –? Ach – Kaffeekränzchen bei der Mehlmann! Da gab es kein Ausschlagen.
»Ihr müßt auch dabei sein,« sagte Mai zu der Mutter, und die wehrte sich nicht weiter, denn nach der Fahrt und der Aufregung hatte sie Durst bekommen.
Gleich darauf klopfte auch die Handarbeitslehrerin, begrüßte die Damen Friedlein zierlich und bat, sie möchten doch an ihrem Kränzchen teilnehmen. Es sei alles reichlich da.
Das war es. Der runde Tisch sah noch einmal so wichtig aus mit der weißen Decke, den vielen Tassen, Untertassen und Tellerchen, den Sahnennäpfchen, Zuckerdosen, den Marmeladenbüchsen, den Kuchenbergen, Waffelhäufchen und der großen Weinbeertorte in der Mitte. Die war vom Konditor, ebenso die Schlagsahne. Alles andere dagegen hatte Fräulein Mehlmann selbst verfertigt.
Frau Friedlein bog sich in kluger Liebenswürdigkeit vor und bewunderte die glasklaren Früchte und die Marmelade – ja, die war gut geraten! Eben war die Einmachezeit vorbei. Frühmorgens, ehe sie in die Schule ging, hatte Fräulein Mehlmann auf dem Markte eingekauft, und wer nachmittags etwa zu ihr kam, erhielt unversehens ein Messer in die eine Hand gedrückt und in die andere eine Gurke – jetzt hieß es helfen! Da nahm das Fräulein keine Rücksicht!