Flüchtig horchte sie. Unten gingen Türen. –

Ludwig hatte die Karte verwundert besehen: Richard Bartelmes, Dr. phil.

Ach so, das war wohl der neue Oberlehrer an der Reutterschule? Was wollte der bei ihm? Nahm's wohl sehr gewissenhaft, klapperte alle Honoratioren ab. Na, den wollte er sich ansehen.

Es war ja schon im voraus genug über ihn erzählt worden. Man sollte ihn an gewisser Stelle förmlich gebeten haben, anzunehmen. Er war ein Licht. So eine besonders moderne Sorte Reformlehrer. Schriftstellerte über allerhand Ästhetisches und hatte die neuesten Ideen, die es gab. Kunst in der Schule! Es hieß, er sei aus der westdeutschen Stadt nur privater Verhältnisse wegen weggegangen. Einzig diesem Grunde verdankte Markburg das Glück seiner Zusage.

Jetzt kam der Reformoberlehrer.

Was er sagte, war gewandt. Ludwig entdeckte auf den ersten Blick weder eine Teutonische Wucht, noch eine Spießbürgerlichkeit. Der Mann sah ganz weltmännisch aus.

»Sie werden sich an meinen Namen wohl nicht mehr erinnern, Herr Regierungsrat,« sagte er verbindlich, ihm mit den etwas runden dunklen Augen im Gesicht forschend.

»Ihren Namen hat man in der letzten Zeit hier oft im Blatt gelesen,« erwiderte Ludwig.

»Es war aber auch einmal eine Erinnerung für Sie damit verbunden – wenn ich nicht sehr irre. – Ich bin ein geborener Westpreuße, mein Vater war zuletzt in Thorn Major vom Platz.«

»Der alte Bartelmes,« fuhr Ludwig ein wenig vor – bis jetzt hatte er eine kühle Gleichgültigkeit gezeigt, fast mehr, als korrekt war – Christianens wegen! Er wußte doch, daß dieser Mann ihr als Stein in den Weg geschoben war, daß seine, grade seine Berufung etwas wie ein verstecktes Mißtrauensvotum war – im Reutterschloß sollte die Persönlichkeit eines bedeutenden Mannes wieder mit ins Gewicht fallen!