Sie fühlte wieder, wie die Eisdecke erbebte, mein Gott, er hatte doch seinen Beruf. Es ging ihm gut. Er stand glänzend beim Präsidenten, sie wußte es, aus den Reden und dem Wesen der anderen hatte sie es gemerkt. Und sie kannte ihn ja doch. Er war die altpreußische Gewissenhaftigkeit selber. – – Und sein Herz hing ja doch nicht mehr an ihr. Sie hatte es in der Sekunde erkannt, in der sie damals wieder zu ihm gekommen war. Vorher glaubte sie sein verändertes Wesen nur auf die Enttäuschung zurückführen zu müssen, auf die feige und mutlose Art, die sie ihm gegenüber gezeigt hatte – aber dann spürte sie: es war etwas anderes, sein Sinn war bei etwas anderem – er machte sich nichts mehr aus ihr.
Und bald hatte sie Klarheit gehabt.
Wie er auf jeden Brief Christianens paßte, wie er es so gern übernahm, ihr zu antworten, wie sorgfältig und ruhig er schrieb, und doch war etwas darin – sie überlas die Zeilen – ja, sein Herz war darin!
Beim zweiten Mal war sie viel tapferer, obwohl ihr Zustand bewies, daß ihr Schrecken einen guten Grund gehabt hatte, und zugleich fühlte sie sich wie von einer Last erleichtert – sie hatte ihm ihre Gesundheit geopfert, sie hatte genug getan!
Nun konnte sie fordern!
Und er gab ihr alles, was sie wünschte, und alles war gut, bis das Kind größer wurde.
Da sahen sie beide, wie sonderbar Hanni in ihre Ehe hineinpaßte, und wußten, daß sie sich nicht geliebt hatten.
Nun also – was wollte er noch?
Christiane konnte er ja niemals haben, das stand weder in seinem, noch in ihrem Katechismus, solche Dinge taten sie nicht.
Die Gartentür klirrte – es kam wohl Besuch. Sonntagsvisiten. Mochte Ludwig annehmen, wenn er Lust hatte, sie ließ sich von Fremden niemals sprechen, wenn es nicht in Vereinsangelegenheiten war.