»Sprich nicht weiter,« bat er.

Sie schauten sich an.

»Bitte, komm morgen,« sagte er dann, »komm, Christiane.«

Er ging. – – – –

Christiane fuhr in die ›Götterdämmerung‹. Unterwegs, während der kurzen Eisenbahnfahrt, sah sie erst, wieviel Schnee in der Welt war. Schnee um Schnee.

Aber in der großen Stadt war er weg, oder wenigstens unkenntlich. In der Vorhalle des Opernhauses mußte sie plötzlich an den Wald denken, und jetzt wußte sie: ich werde ihn gleich sehen. Oder etwas Ähnliches.

Und es kam so, wie sie gesagt hatte: erst saß sie fremd, ja, sie lächelte sogar flüchtig, dann aber warf sie ihre Seele in die Musik hinein, sehr spät, denn die anderen, die ihre Gläser vor die Augen und die Textbücher auf dem Schoß hielten, hatten das vermutlich längst getan.

Der Gesang der Rheintöchter berührte sie besonders. Dieses Klingen, dachte sie. Meine Stimme hat in meinem ganzen Leben nicht so geklungen. Wie das perlt.

Ich kann mir denken, daß Frauen, die so singen können, ein ganz anderes Leben führen, als eine – Schulmeisterin.

Nachher dachte sie an Doktor Bartelmes Schwester. Eine Tochter aus gutem Hause – nein, so ganz gut war es wohl nicht. Sie hatte es von Ludwig gehört. Ein wenig Schmutz war ihr wohl schon in der Seele angehangen, als sie auf die Bretter kam, und ihre Seele war jedenfalls ebenso bereit für den Schmutz wie für die Kunst.