Es war der letzte Nachtzug nach Markburg.

Und morgen früh – – was war mit ihr? Sie war ja ganz aus dem Geleise – –? Hastig stieg sie ein und lehnte sich zurück. Allein sein, allein fahren, fahren, irgendwohin.

In ihrem Blut bebte der schwere Rausch der Musik. –

Sie stutzte. Da sah sie einen: Bartelmes. Und er erkannte sie im selben Augenblick. Nach einem kurzen Zaudern sprang er zu ihr in den Wagen und begrüßte sie.

»Waren Sie auch in der Oper?« fragte sie unwillkürlich.

»Ja, ja,« sagte er. »Ging aber vor Schluß weg und war noch mit Freunden zusammen. Literatur.« Er lachte vor sich hin, und auf einmal dachte sie wieder an seine Schwester.

»Ich möchte Ihr Fräulein Schwester wohl einmal sehen,« sagte sie.

Er fuhr vor. »Meine Schwester?«

Dabei sah er sie an. Das Licht im Abteil war blau gedämpft, ganz genau konnten sie einander nicht erkennen. Aus dem Nebencoupé tönten lebhafte Stimmen. Da fuhren auch welche aus der Oper nach Markburg oder in ein anderes Nest.

»Ach, meine Schwester,« sagte er. »Ich versichere Sie, die braucht keine Hilfe und keinen Rat. Sie sollten Sie sehen: klein ist sie nur, aber ein stahlfestes, geschmeidiges Tierchen und – ach, ich glaube, ich habe wohl ein Bild von ihr da.« Er griff seine Brieftasche heraus und suchte zwischen anderen Photographieen.