»Vornehm, ja, vornehm,« höhnte er. Es versank fast im Rattern des Zuges.

»Ja, allerdings. In den Klöstern gab es auch nur das Buch und die Musik, die den frommen Frauen die Zeit vertrieben. Aber eine andere Musik. Ach, kleine Spiele gab es auch, fromme Spiele.«

Er lachte. Irgend etwas an ihm schien verwandelt, und in ihr begann es heimlich gierig zu spähen: kam sie jetzt auf den eigentlichen Kern des Doktor Bartelmes?

»Ich dachte, Sie kämen vom Siegfried anders zurück,« sagte er nun, und sie zuckte: »Wußten Sie denn –? Daß ich –«

»Ach, ich glaube, ich war in der Telephonzelle, als die Hausmeisterin Ihr Billett bestellte,« sagte er gleichmütig. Jetzt war er wieder korrekter. »Ich bin aber oft hier,« setzte er noch hinzu.

Sie saß regungslos.

Das hieß ja fast, es könnte auch möglich gewesen sein, daß er um ihretwillen hierhergefahren wäre! Sie hätte fast gelacht. Und zugleich schraubte sich ihr ganzer Hochmut herauf: wer war er denn? Was erlaubte sich dieser Mann?

Er hatte wohl gemerkt, was in ihr vorging. Seine Stimme veränderte sich vollkommen. Kühl holte er ein Schulthema heran, ein extra langweiliges.

Sie hörte kaum zu. Ihre Blicke hingen sich mechanisch an die schwarzspiegelnden Scheiben – da merkte sie, daß er auch dahin guckte. Er suchte ihr Bild heimlich aufzufangen.

Und plötzlich kam über sie, was noch keine Gestalt angenommen hatte, aber schon dagewesen war. Sie dachte wieder an ihren weißen Garten, durch den er gegangen war. Irgend etwas in ihr neigte sich ihm zu: sie waren einander im Geistigen wohl ebenbürtiger, als er dachte, und wenn ein Feuer sein sollte, so konnte es diesseits brennen, offen, ganz offen – – –