Morgen, ach morgen – – –

Sie strich über die Scheiben, die nun angelaufen waren, und brachte den Kopf ganz nahe. Auf einmal sah sie die vorbeistreifenden Schneefelder, und plötzlich überkam sie eine ganz lichte Empfindung, als glitten weiße Büsche an den Rainen entlang, als seien blütenhelle Bäumchen da, als sei ein ganz zarter, heimlicher Frühling draußen. Eine Frühlingsnacht.

Und sie dachte: Wieviel hast du versäumt. Mit Büchern und mit fremden Leuten. Mit Tränen hast du es versäumt. Mit Sehnsucht. Nach einem fernen großen Jugendfeuer hast du hingestarrt und dabei jeden deiner neuen Frühlingstage übersehen.

Und bald kommt der Herbst. Dann wird dir die Rechnung präsentiert. Dann – was dann kommt, ist bitterer als Sehnsucht, ist die ganze Qual des Unerlebten, ist die Erkenntnis, daß du leben konntest und hast es nicht getan. Und hast es nicht getan.

Sie saß regungslos.

Und drüben saß der Mann.

Sie sprachen nicht mehr.

Er begleitete sie auch nicht nach ihrem Hause, denn Christiane winkte sich rasch eine Droschke heran und fuhr dem Reutterschloß zu.

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Am anderen Abend kam sie zu Cöldts.