Sie blieb erst eine Sekunde vor dem Hause stehen und besah es sonderbar genau, und als sie nachher Ludwig gegenüberstand, schaute sie ihm auch sonderbar ins Auge.
Er kam an dem Abend zeitiger aus seinem Zimmer als sonst. Immer, wenn Christiane da war, tat er es, aber heute war es noch zeitiger. Und dann bat er sie, sie solle zu seinen Büchern kommen.
Hardi folgte und beobachtete Hanni, die ein Schulbuch vor hatte. Sie schaute auch zu Christiane, die mit Ludwig zusammen Neuausgaben alter Bücher besah.
Und es überkam sie auf einmal: was tue ich denn hier? Wer bin ich denn hier? Was für ein Recht habe ich hier –?
Sie fühlte wieder den Schnee draußen.
Christiane aber sah, Ludwigs Auge vermeidend, die Neudrucke an und dachte: Ja, es sind Kostbarkeiten, für ihn wenigstens. Stille Kostbarkeiten, wie er sie so gern hat, wie er sie an sich genommen hat, statt seines Werkes, statt seiner eigenen Ideen, statt jeder Tat, zusammen mit meiner Liebe.
Alles stille Kostbarkeiten.
Aber später? Wie werden wir das später ansehen?
Ludwig, man bleibt nicht zusammen, wenn man sich immer ferne ist. Eine Lücke bleibt – es bricht. Ludwig, zwischen uns ist eine Lücke, und wir spüren sie jetzt – beide.
Beide spüren wir sie jetzt.