Ist jetzt ein Wind gekommen, der mich – zurückträgt?
Auf einmal fiel ihr ein, daß sie am Abend auch Ludwig sehen würde. Gewiß würde er kommen. Aber mit Hardi. Sie lachte vor sich hin. Mit Hardi! Mit seiner Frau!
Draußen auf den Gängen trappelte es schon – Herrgott, sie kamen! In dem Augenblick empfand sie jäh, wie eisig einsam sie in tiefster Seele doch war.
Nun vollzog sich die offizielle Jubiläumsfeier unter der Teilnahme des Präsidenten und vieler Stadtspitzen. Orden wurden allerdings nicht verteilt. Der einzige, der dafür reif gewesen wäre, Professor Diermann, war nicht mehr da.
Christiane mußte auch wieder reden.
Ein bißchen verborgener Spott über die ganze Kleinstädterei, über das gesamte menschliche Narrenspiel war in ihr. Sie sprach anders, als sonst, leichter, gleichgültiger. Verschiedene Gesichter hoben sich und staunten zu ihr herauf, die Jong, der Zeichenlehrer, sogar der Präsident.
Komödie, Komödie, dachte sie.
Auf der anderen Seite fuhr Lächeln über ironische Mienen.
Sie merkte es nicht.
Draußen vor den Fenstern glitten Wolken wie weiße Vögel. Siegfrieds Tod stand wieder vor ihr auf, der ganze schwere, tönende, verlangende Rausch der Musik.