Nein.

Jeder suchte das Seine.

Auch jetzt war sie nachmittags oft nicht mehr allein im Reutterschloß. Doktor Bartelmes hatte sich die Erlaubnis erbeten, auf dem Harmonium in der Aula zu üben. Nun hörte sie das oft. Es war nicht laut. Es drang nur wie Summen durch die dicken Wände, drang zu ihr, und sie horchte danach, und ihr Herz strebte davon los und kam nicht frei, sondern verwirrte sich noch mehr daran. In einer fremden Sprache kann man dem viel sagen, der sie nicht versteht: er hängt daran und rätselt daran, und ein wenig Rausch ist dabei. –

An anderen Tagen war er wieder mit seinen Mädchen auf Wanderungen unterwegs. Immer waren die Schönsten um ihn herum, besonders Betty von Kramer.

Es waren schon Mütter zu Christiane gekommen und hatten gesagt, der Herr sei wohl zu modern für Markburg. Die Mädel hätten ja keinen Sinn mehr für etwas anderes, außer ihrem Doktor, eitler könnten sie nicht mehr werden, als sie geworden seien, und Neid und Eifersucht wären an der Tagesordnung.

Christiane merkte: ich kann es nicht mehr so lassen. Ich darf es nicht. Ich lade Schuld auf mich.

Schattenhaft stieg das Bild der Schwester des Doktor Bartelmes vor ihr auf.

Da kam er zu ihr wegen des Johannisfestes.

»Johannisfest?« sprach sie tonlos.

»Ja,« meinte er unbefangen, »ich glaubte es Ihnen schon gesagt zu haben, daß wir feiern wollen –«