Ein leiser, aufreizender Hohn schien in seinen Worten mitzuklingen.
Gleich darauf wurde seine Miene wieder schmeichelnder, weicher, und er fragte halblaut: »Kann ich Ihren Garten jetzt wieder einmal sehen, Fräulein Doktor?«
Jäh sah sie ihm in die Augen.
Er erwiderte den Blick. Die Narzissen in seinen Händen sanken etwas.
Kühl gab sie ihm die Erlaubnis und ging davon. Oben in ihrem Zimmer trat sie nicht ans Fenster – sie wollte nicht sehen, wie er zwischen ihren Bäumen herumschlich bis zum Griechentempel, über dem die rote Kastanienblüte stand. Er kannte zu viel von ihr und würde noch mehr erraten, wenn er jetzt durch ihren Garten ging.
Nun hörte sie seinen Schritt.
Sie stand von ihrem Platze auf, warf einen trüben Blick auf die ›eiserne Wehr‹ und schritt leise zum Fenster – – sie mußte ihn doch noch – sehen – – –
Und plötzlich dachte sie wieder: er ist mir ja ganz fremd. Ich kenne ihn nicht. Nein, alles, was er tut und will, kenne ich nicht, weil es aus anderem Gesichtspunkt und von einem ganz anderen, mir dunklen Leben her geschieht – – –
Und doch fühlte sie die unheimliche, treibende Macht in sich.
Zu Cöldts kam sie jetzt nicht mehr. Sie wußte von der Mutter, daß Hardi in Wiesental war und Ludwig oft hinüberritt. Oft hörte sie sein Pferd am Hause vorbeitraben, hörte den Hufschlag und dachte dumpf: hier hält er nicht mehr an.