Sie freute sich über sein Glück. Denn er war jung geworden und lachte viel.

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Der Frühling flammte. Sein Schild war noch glühender, sein Ruf noch lauter geworden.

Christiane sah ihren einsamen Garten in Blüte kommen. Sie hatte nicht gedacht, daß der Garten der unglücklichen Sophie Reutter auch blühen konnte. Als sie ihn im Vorjahre fand, hatte ihr nur dunkles Laubwerk entgegengeduftet, steife, ernste Bäume. Jetzt zeigte es sich, daß Kleineres versteckt gewesen war, das sich nun bunt heraustat und alle Feuer spielen ließ: Goldregen und Dornsträucher, Quitten und weißer Flieder. Und gleich neben dem Tempel standen zwei riesige Kastanienbäume, die blühten über und über rot.

Der Garten war kein Klostergarten mehr. Bis in die Nacht hinein duftete er, ja, die ganze Nacht hindurch. Durch die offenen Fenster kamen seine Duftwellen, und von weiter her kamen andere, von den Wiesen, auf denen die freie Blüte stand, vom Walde, in dem die wilden Kirschbäume wie Frühlingsfackeln brannten.

Und der Himmel war stahlblau, und die Abende goldschwer veratmend, sich immer mehr dehnend, kein Ende nehmend. Immer noch Abend, immer noch ein Glühen, immer noch ein Rot hinter dem Walde!

Die Kinder brachten Christiane Sträuße aus ihrer Eltern Gärten. Sie gaben auch der Haberkorn welche, aber nicht mehr, als die Höflichkeit es erforderte, auch der Seifert und der Jong, sogar dem Mehlmännchen, aber am meisten bekam sie der Doktor Bartelmes. Mit Blumen beladen ging er mittags weg, er zeigte sie recht – auch Christiane sah es. Die meisten waren von Betty von Kramer, von der schönen Ersten mit dem ägyptisch geschnittenen Gesicht.

Wenn er einmal gar zu viel hatte, so schenkte er den Damen davon, einmal hatte er der Mehlmann einen großen Busch roter Tulpen verehrt (sie fragte nachher wieder die anderen, ob man nichts dabei ›gefunden‹ hätte?) und der Haberkorn einen Strauß Vergißmeinnicht, den die verdutzt anguckte, wobei wieder das merkwürdige, unbestimmbare Männerlächeln um seinen Mund zuckte.

Einmal kam er mit einem Busch weißer Narzissen auf Christiane zu, in seinen Augen flirrte etwas – sie fuhr hochmütig zurück: wollte er die ihr etwa schenken?

Nein, er zeigte sie ihr nur und sagte: »Sehen Sie, die Mädel bringen mir doch wenigstens nichts Geschmackloses mehr. Sie wissen, alles, was mir nicht gefällt, lasse ich unbarmherzig liegen, und dem will sich doch keine aussetzen! Die sind übrigens von Betty. Die sind schön.«