Daß sie sich nicht gleich ergab, daß sie auch als Braut immer etwas Scheues, Beklommenes behielt, war ihm ein Reiz mehr gewesen – je mehr Wälle, desto mehr Sieg, je mehr Trutz, desto mehr Süßigkeiten.

Und dann – – –

Da war ein breiter Graben. Aber über den waren sie jetzt hinweg.

Sie vergaßen Markburg mit allem, was daran hing, die Gesellschaft, die um sie war, sein Amt, sogar ihr Kind. Sie durchlebten in diesen zarten Frühlingswochen etwas, was sie noch nie erlebt hatten, so groß war es. Ein sonderbarer Ballast war dabei, aber er machte es noch größer.

Christiane Dorreyter war aus Ludwigs Leben verschwunden. Sie war ihm das Fremde geworden, das unsichere Feuer, die Versuchung. Hier war die Ehrlichkeit, die innerste Verknüpfung, die reinste, beste Verbindung – hier war das Weib und nicht die Verirrung. Hier brannte das schönste Feuer, und drüben war nur ein trüber Hauch – hier war die Ehe und dort die Sünde.

Hardi war schuld an dieser Verirrung, aber sie sühnte jetzt, gab ihm alles, und er verstand sie und sich.

In jeder freien Zeit war er in Wiesental. Er hatte sich ein Pferd angeschafft; fast an jedem Tag konnte man ihn hinüberreiten sehen.

Hardi dachte nicht mehr an ihren Verein, auch nicht an die Mutter, nicht an den Basar, den die Damen veranstalteten. Einmal war eine von ihnen dagewesen, hatte aber nichts ausgerichtet und die gute Cöldt recht sonderbar gefunden.

Wenn Hardi auch nicht zur Leidenschaft fand, nie ein brausendes Wasser wurde, weil die Dinge in ihrer Seele kein Gefäll bekamen, so gab sie sich doch in Ludwig hinein und hatte keinen anderen Gedanken mehr. Es war kein Zu-ihm-finden, keine späte Liebe, aber eine späte Ehe.

Etwas trug sie – sie verstand es nicht ganz – etwas schob sie, das hatte Macht aus jener Wintermorgenstunde, als sie den Schnee über ihr warmes Leben herfallen spürte, Schnee um Schnee. Sie fühlte sich getrieben und dachte nicht zurück, höchstens wie an fremde Länder.