Sie warf noch einen Blick zur ›eisernen Wehr‹ empor, dann nahm sie ihren Hut und ging.

Wie leicht kann ich schreiten, dachte sie, als sie in den lichten Staub der Straße trat. Wie – jung –

Vom Sonnenrot sah sie hier nichts. Der Wald stand dunkelnd. Eine verwischt blaue Stimmung war zwischen den Straßenbäumen. Die Kinder kletterten darauf herum, rissen Lindenblüten los und warfen sie herab.

Sie eilte. Nun war sie im Walde. Fahrtgeleise gingen tief hindurch – ach, es war die Allee, auf der sie damals gegangen war, als das Gewitter kam, vor einem Jahre – –

Sie schritt rasch und empfand: Johannisabend.

Hinter allen Büschen schien es zu leben, tiefer, als bei jenem Taggewitter, heimlicher, als in den hellsten Stunden, seltsamer, als an anderen Abenden. Sie fühlte: hier ist Leben über Leben um mich. Sie sah an den Tannen empor, sah, wie die silbergrauen glatten Stämme der Buchen grünumflimmert zur Höhe stiegen und oben ihr Laub ausbreiteten, sie sah Bäume, die über und über grün waren, bei denen die Äste schleppend auf den Boden hingen, so voller Sommer waren sie. Und dann sah sie noch etwas. Mitten unter den Waldbäumen stand eine Linde, über und über blühend. Hoch stieg sie empor, höher, als die Buchen und Tannen, und oben blühte sie ganz allein, über allem Laub. Diese Blüten konnte keiner pflücken. Das Abendlicht überglänzte sie. An die konnte keiner heran.

Sie ging weiter.

Auf einmal scholl es hinter ihr. Sie horchte: Klippklapp, Klippklapp.

Sie blieb stehen.

Da kam es sacht näher. Ein Reiter.