Christiane konnte auf diese feinironischen Ausführungen ihres Chefs nicht antworten, denn der Präsident fuhr gleich darauf anscheinend gelassen fort, indem er sich einige Aktenstücke reichen ließ: Man hätte sich, nachdem das Stiftungskapital neuerdings zu einer bestimmten Höhe angewachsen sei, in der letzten Patronatssitzung entschlossen, die wiederholt ausgesprochenen Wünsche der Leiterin zu erfüllen, die fehlenden Klassen aufzusetzen und ein Seminar anzufügen, wodurch wohl vielen jungen Mädchen eine willkommene Gelegenheit zur Aus- oder wenigstens zur Weiterbildung gegeben sei.

Christiane schaute betäubt auf.

Damit hatte sie ja gesiegt – – gesiegt – – –

»Wir wären sehr dankbar, wenn wir Ihre Entwürfe und Pläne schon in kurzer Zeit erhalten könnten, Fräulein Doktor,« fügte der Präsident noch hinzu.

Christiane machte sich zu Hause sofort an die Arbeit, suchte alte Pläne, Ministerialerlasse und Verordnungen heraus, verglich, entwarf, überlegte, zeichnete auf, und darüber wurde es Abend.

Sie fuhr plötzlich hoch und sah es rot über dem Walde stehen.

Das ist der Johannisabend, fiel ihr auf einmal ein.

Sie schob ihre Papiere zurück und sah starr in das ferne Glühen hinaus. Ein feiner Dunst kam aus dem Walde und schlich herein.

Sie schaute in ihren Garten – der war schwarz.

Eine wahnsinnige Angst überkam sie. Der Sommer gleitet vorbei. Alle ansteigenden Zeiten sind vorbei. Mein Leben tritt in das Dunkle ein. Hier sind die Pläne, die Ministerialerlasse, die Prüfungsordnungen – haha – das ist mein – – das ist mein – –