Da kam Ludwig von Cöldt. Christiane hörte seinen Schritt schon von weitem.
Sie sahen sich an.
Er gab ihr die Hand, dann schaute er lange auf die ›eiserne Wehr‹ über dem Arbeitstisch. Sein Blick glitt in ihr Gesicht. Sie hob die Augen, und eine Sekunde standen sie und verstanden sich wieder im Geringsten, ohne Wort.
»Du gibst mir Relief,« sagte sie dann mit leichter Ironie. »Wenn die Vorstandsdamen gnädig zu mir gewesen sind, so verdanke ich das der Tatsache, daß ich einen Schwager hier habe. Ich bin höchstens dreimal auf meinen Doktor, mindestens dreißigmal aber auf den Regierungsrat von Cöldt angeredet worden.«
Seine Wimpern zuckten. Er sah eine Sekunde vor sich hin.
»Du wirst dir deinen Platz schon schaffen,« sprach er dann.
»O ja,« sagte sie, »das werde ich.«
Sein Gesicht behielt den gleichen geschlossenen, etwas resignierten Ernst. Sie sah, daß er sich sehr verändert hatte.
Sekundenlang durchrann sie eine furchtbare Machtlosigkeit, sekundenlang brauste ihr Wille wieder räuberisch zum Stehlen und Genießen hin.
Tief unten war sie in aller ihrer Würde.