Die Haberkorn nickte geringschätzig: »Ja, ja, die Provinzialismen.«
Fräulein Mehlmann stammte aus dem benachbarten Neukirch. Sie war so gut wie vom Lande.
»Nu, ich meine –« sie verbesserte sich jetzt rasch. »Ich dachte, wenn unser Fräulein Doktor so fein aussieht, müssen wir auch was übriges tun. Ich mochte ihr in der alten braunen Bluse nicht mehr begegnen.«
»Hm,« machte die Seifert.
Ein Schweigen ging durch die Runde. Die beiden kleinen Vögel wagten kaum zu atmen.
Da sprang die Türe auf. Es war aber der Professor Diermann, der immer zwei Minuten vor Anfang kam. Neugierig lugten seine Augen voraus, dann kam er näher.
»Morjen, morjen.« Er griente die Damen an.
Zwischen ihm und den Kolleginnen galt unsichtbar auch der Satz aus der Bibel: ›Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe –‹, wie er in allen Berufen herrscht, in denen es auf eine ernstliche Konkurrenz hinausgeht.
Professor Diermann verachtete die Kolleginnen, zunächst weil er ein geborener Markburger war, die alle arbeitenden Frauen geringschätzten, dann als Akademiker gegenüber geringwertiger Frauenbildung, dann wegen noch anderer Dinge. Er machte aus seiner Richtung nicht immer ein Hehl, in seinem Alter glaubte er Ritterlichkeit nicht mehr nötig zu haben und – die Damen brauchten ja nicht in die Schule zu kommen, wenn sie Ritterlichkeit beanspruchten.
Er hatte vier Töchter, die eifrig Tennis spielten und sich dadurch noch Männer zu erobern hofften. Wenn nun nicht so viel Damen an der Schule gewesen wären, so wären eben Männer hingekommen, und damit auch wohl der eine oder der andere Heiratskandidat. Denn der einzige Unverheiratete im Reutterschloß, der behäbige Oberlehrer Dreher, war wohl nicht mehr zu rechnen. –